Schuhfrei durch den Niederrhein – Der Barfuß- und Naturerlebnispfad Hoch-Elten

13.06.2025

Gleich mehrere Barfußpfade am Niederrhein laden dazu ein, die Schuhe auszuziehen und den Boden unter den Füßen ganz bewusst zu spüren. Doch einer dieser Pfade ist besonders: Der Barfuß- und Naturerlebnispfad in Hoch-Elten. Auf rund zwei Kilometern warten 20 liebevoll gestaltete Stationen mit insgesamt 12 verschiedenen Untergründen – von Rundhölzern über Sand bis hin zu grobem Kies. Was meine ganz persönliche Herausforderung dabei war? Lest selbst und vielleicht kann ich euch inspirieren auch mal barfuß den Niederrhein zu erkunden.

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Mein Fotograf und ich starten mit unserem Vorhaben – Barfuß- und Naturerlebnispfad in der modernen Tourist Information Elten an der Lindenallee 31 in Emmerich, die in diesem Jahr fünfjähriges Bestehen an diesem Standort feiert. Ausreichend kostenfreie Parkplätze und ein freundliches Touristinfo-Team machen das Ankommen entspannt und den Einstieg unkompliziert.

Start: Sebastian-Kneipp-Platz

Verabredet sind wir mit dem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tourist Information Elten und Barfußgästeführer vom Kneippverein Elten e.V. Heiner F. Scholten, der uns auf den Pfad begleitet und mehr Informationen über diesen bereithält. Nach einer ebenso freundlichen Begrüßung von Heiner F. geht es auch schon quer über den Parkplatz, dann eine kleine Straße rauf und nach wenigen Metern erreichen wir den Sebastian Kneipp-Platz.

Ich sehe drei Outdoorsportgeräte, große Holz-Baumelbänke, zu denen ich euch später mehr erzähle, ein überdachter Bereich mit Schließfächern, Fußwaschanlage, Bänke und einem Wassertret- und Armbecken.

„Hier ist der offizielle Start unseres Barfuß- und Naturerlebnispfades mit Informationen rund um das Thema Barfuß inklusive Übersichtsplan über die Stationen“, erklärt mir Heiner F.. „Das sind auf zwei Kilometern immerhin rund 20 Stationen mit zwölf verschiedenen Untergründen.“ Aber warum das Ganze?

Warum Barfußpfade gut tun

Barfußpfade bieten nicht nur ein besonderes Naturerlebnis, sondern auch zahlreiche gesundheitliche Vorteile. Wer barfuß über unterschiedliche Untergründe wie Kies, Sand, Holz oder Rinde läuft, fördert die Durchblutung und aktiviert die Fußmuskulatur. Das natürliche Training wirkt sich positiv auf Haltung und Gleichgewicht aus – ganz nebenbei wird auch die Körperwahrnehmung geschärft.

Durch die gezielte Reizung der Fußsohlen entsteht dabei eine Art Fußreflexzonenmassage: Bestimmte Bereiche der Füße stehen über Nervenbahnen in Verbindung mit inneren Organen, sodass der gesamte Organismus stimuliert und aktiviert wird. Besonders im hektischen Alltag kann ein Barfußpfad ein Moment der Achtsamkeit sein: Man entschleunigt, spürt den Boden unter den Füßen und erlebt die Natur mit allen Sinnen. Das Barfußlaufen stärkt nicht nur den Körper, sondern wirkt auch entspannend auf Geist und Seele.

Erste Schritte

Für mich heißt es jetzt Schuhe aus und los geht’s. „Wir starten ganz locker mit ein paar Dehnübungen für die Füße und gehen kurz zum Armbecken und tauchen die Arme bis zum Ellbogen ins kalte Wasser“, erklärt mir Heiner F.. Gesagt, getan und dann warten auch schon die erste beiden Station auf uns, die sich noch auf dem Sebastian-Kneipp-Platz befinden.

Meine ersten Schritte bis zum Start fühlen sich zunächst ungewohnt und fast ein wenig unsicher an. Der Boden unter meinen Füßen ist kühl und feucht vom Morgentau – ein angenehmer Kontrast zur sommerlichen Wärme der Luft.

Die erste Station ist noch sehr angenehm mit feinem Sand, dann folgt der Waschbeton. „Versuch auch zwischendurch die Augen zuzumachen und den Pfad mit allen Sinnen zu genießen“, empfiehlt mir Heiner F..

Kostenlose Fußreflexzonenmassage

Während der Sand sich sanft um meine Füße schmiegt, fühlt sich der Waschbeton schon etwas intensiver an, wie eine natürliche Fußreflexzonenmassage.

Bevor es in den Hocheltener Wald geht, informiert sogar ein kleines Schild über das Thema Reflexzonen der Füße, welche Stellen für welche Organe zuständig sind.

Ein roter Fuß weist uns den richtigen Weg und führt uns direkt in den Wald. Der Duft von feuchter Erde, das Zwitschern der Vögel und das Gefühl, direkt mit der Natur verbunden zu sein, macht den Pfad schon jetzt zu einem echten Erlebnis.

„Elten ist übrigens seit März Luftkurort und der Pfad selbst wurde 2015 vom Kneippverein Elten e.V. übernommen und seitdem mit viel Liebe gepflegt und gehegt“, erzählt mir Heiner F. auf dem Weg.

Wechselnde Untergründe

Die nächsten Stationen lassen nicht lange auf sich warten, wieder geht es sanft los, dann herausfordernd mit Kies und wieder angenehmer mit Sand.

Ich merke, dass ich nicht nur innerhalb der Stationen, sondern auch außerhalb viel langsamer gehe, als normal, weil ich einfach vorsichtig bin und genauer schaue, wo ich hintrete.

Der Pfad führt uns nach rechts und wir erreichen den Glücksbaum. „Das ist ein ganz besonderer Baum, er hat fünf Stämme und hier verstecken wir für Schulklassen immer ein Kästchen mit Glückssteinen“, erklärt mir Heiner F. und holt aus seinem Rucksack genau so ein Kästchen und überreicht mir einen kleinen Stein mit einem Glücksklee. Eine schöne Idee und einen Glücksbringer kann man ja immer gut gebrauchen.

Rund um die Streuobstwiese

Weiter geht es durch den Wald und den Stationen Rundhölzer, Kies und Rindermulch bis wir eine Streuobstwiese erreichen. Hier wartet eine weitere Herausforderung mit einem Balancefeld. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen und balanciere über unterschiedlich hohe aufrechtstehende Balken, die nur eine schmale Trittfläche haben. Jeder Schritt fordert meine Konzentration, was erstaunlich gut funktioniert. 

Der nächste Balanceakt lässt nicht lange auf sich warten und folgt in Form eines liegen Baumstammes. Wie ein Seiltänzer muss ich die Füße leicht versetzt platzieren, um Stabilität herzustellen.

Rund um die Wiese gibt es übrigens Sitzmöglichkeiten und weitere Stationen. Eine Station ist meine persönliche Herausforderung – Yellow Stone. Die Steine sind im Steinbruch gebrochen und entsprechend kantig. Auch Heiner F. hat mit diesem Untergrund zu „kämpfen“.

Neue Wolkenbeobachtungsstationen

Ungefähr in der Mitte dieses Areals wartet nach dieser kleinen Tortur eine schöne Belohnung – zwei Wolkenbeobachtungsstationen, die dieses Jahr neu installiert wurden. Das sind drehbare Holzliegen, die nicht nur bequem sind, sondern auch eine perfekte Erholungsmöglichkeit bieten.

Von hier aus folgen wir dem Weg weiter in den Wald zurück, wo die Stationen mit Baumscheiben und Holzbrettern auf uns warten. Ab hier ist der Weg identisch mit dem Hinweg. Ich hätte nie gedacht, dass ein Weg so viel auslösen kann – ein Weg ohne Asphalt, ohne Hektik, dafür mit ganz viel Gefühl.

Baumeln zum Abschluss

Wieder am Sebastian-Kneipp-Platz angekommen, müssen wir zunächst unsere doch schon leicht dreckigen Füße waschen und beenden den Pfad mit einem Gang durch das Wassertretbecken. Zum Abschluss kommen auch die anfangs erwähnten Baumelbänke mit dem Spruch „Heute schon gebaumelt“ in deutsch und holländisch zum Einsatz.

Das Hochlegen oder freie Baumeln der Füße fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur. Nach der sensorischen Stimulation des Barfußgehens hilft das, den Füßen eine kleine Pause zu gönnen.

Der perfekte Ausflug

Wenn ihr selbst einmal dem Barfuß- und Naturerlebnispfad in Elten einen Besuch abstatten wollt, könnt ihr das von April bis Oktober von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang tun.

Kulinarisch stärken könnt ihr auch im niederländisch geführten Pannekoekhuys direkt an den kostenlosen Parkmöglichkeiten an der Tourist Information Elten. In unmittelbarer Nähe befindet sich noch ein Wohnmobilstellplatz mit Toiletten und ein Minigolfplatz.

Weitere Barfußpfade am Niederrhein

·      Moers-Repelen = im Jungbornpark

·      Xanten = im Kurpark neben dem Gradierwerk

·      Kevelaer = im Solegarten St. Jakob

Hier findet ihr meinen Blogbeitrag zum Thema „Gesunder Niederrhein – vom Barfußpfad bis zum Gradierwerk“.