Besondere Wanderrouten – Teil 24: Der neue Höhentrail mit Wissens-Stationen in Viersen

31.10.2025

Wer beim Stichwort „Waldspaziergang“ nur an frische Luft und Vogelgezwitscher denkt, sollte sich auf den Süchtelner Höhen überraschen lassen. Denn dort wartet seit Kurzem ein Erlebnisweg, der Natur, Bewegung und digitale Medien auf spannende Weise verbindet: der Höhentrail. Auf 5,6 Kilometern bietet er nicht nur idyllische Pfade durch das Grün, sondern auch 21 interaktive Wissens-Stationen. Mit dem Smartphone lassen sich QR-Codes scannen, hinter denen sich kurze Videos verbergen – informativ, unterhaltsam und direkt aus der Region produziert. Ein Ausflug, der den Wald ganz neu erlebbar macht. Was TV-Moderator Dieter Könnes und die Stiftung Robin Gut damit zu tun haben? Lest weiter!

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Gemeinsam mit meinem Fotografen starte ich am Stadion Hoher Busch – einem der drei möglichen Einstiegspunkte. Schon beim ersten Blick auf die Route wird klar: Hier geht es nicht nur um Natur, sondern um eine Begegnung mit dem Wald, wie man sie bisher kaum kennt. An jeder Station warten Geschichten, Rätsel und Hintergrundwissen, das von Schülern, Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern aus Viersen gestaltet wurde. Doch wie kam es überhaupt zu dieser Idee, und wer steckt hinter dem Projekt?

Wie alles begann

Vor gut einem Jahr brachte Journalist und TV-Moderator Dieter Könnes die Idee eines Naturlehrpfads in seine Heimatstadt. Als Mitgründer der Robin-Gut-Stiftung wandte er sich an Bürgermeisterin Sabine Anemüller, die das Projekt sofort unterstützte. Zusammen mit den Experten der Abteilung Stadtgrün und Forsten – Matthias Pasch, Moritz Museller und Stadtförster Markus Manns – wurde die Strecke entwickelt und markiert.

Schnell kamen die Verschönerungsvereine hinzu, die nicht nur als Waldeigentümer eingebunden waren, sondern den Höhentrail auch finanziell trugen. Sie ermöglichten die Beschilderung, die Piktogramme und die Produktion der Videos. Entstanden ist dadurch ein Wanderweg, der weit mehr ist als ein Spaziergang: eine interaktive Entdeckungsreise für alle Generationen.

Stimmen aus der Region

Besonders lebendig wird das Projekt durch die Vielfalt der Mitwirkenden. Kinder und Jugendliche der Realschule an der Josefskirche, des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums, des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums und der Brüder-Grimm-Grundschule sind ebenso vertreten wie der Waldkindergarten Buschräuber, die Waldjugend, Pfadfinder, Imker, Jäger und sogar die Feuerwehr. In kurzen Drei-Minuten-Videos erklären sie Zusammenhänge, geben Tipps oder stellen Fragen zum Mitraten. So wird jeder Spaziergang zu einer kleinen Expedition in die Natur.

Der Höhentrail auf einen Blick

  • Natur erleben: Ein 5,6 km langer Rundweg durch die Süchtelner Höhen.
  • Interaktiv lernen: 21 Wissens-Stationen mit QR-Codes.
  • Digitale Inhalte: Kurze Videos von Bürgerinnen und Bürgern aus Viersen.
  • Vielfalt der Themen: Von Naturkunde und Waldschutz bis zu Rätseln und praktischen Tipps.

Das Ziel

Mit dem Höhentrail soll die Naturverbundenheit gestärkt und Wissen spielerisch vermittelt werden. Gleichzeitig ist es ein Projekt von Bürgern für Bürger, das Gemeinschaft erlebbar macht. Für die Robin-Gut-Stiftung ist der Trail ein Modell, das als Vorbild für weitere Städte dienen könnte.

Mehr über die Robin-Gut-Stiftung

Die Robin-Gut-Stiftung steht für ein Miteinander von Mensch und Natur. Sie macht auf Nachhaltigkeit aufmerksam, stärkt die Biodiversität und setzt konkrete Maßnahmen wie Baumpflanzaktionen um. Dabei arbeitet sie eng mit Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zusammen – für eine Zukunft, die auch kommenden Generationen zugutekommt.

Der Höhentrail in Viersen ist damit nicht nur ein Wanderweg, sondern ein Symbol für die Verbindung von Tradition, Gemeinschaft und Innovation – ein Ort, an dem Naturerlebnis und Zukunftsgestaltung Hand in Hand gehen.

Start: Station 1 – Lindenallee

An der ersten Station und somit am Start des Naturerlebnispfades fällt mir direkt positiv ins Auge, dass die Hinweisschilder rund um den Höhentrail an Holzbrettern befestigt sind. So fügen sich diese sehr unauffällig und sehr passend in die Natur ein.

Zum Start gibt es gleich zwei Schilder: einmal eine Übersicht mit dem Verlauf der Strecke, eine Info, von wem das Projekt ist und ein paar Fakten sind ebenfalls vorhanden. Als ich den dortigen QR-Code einscanne, öffnet sich ein YouTube-Video mit Dieter Könnes, der kurz erklärt, was mich und euch erwartet. Alles, was man braucht, ist ein Smartphone und schon erfährt man mehr über die Natur und den Wald.

Auf dem Holzbrett direkt daneben befindet sich die erste Station samt QR-Code. Auch diesen nutze ich, das nächste Video öffnet sich und Matthias vom Imkerverein Viersen erklärt mehr über diesen Standort: Wir befinden uns auf der Lindenallee, die bis zum Hohen Busch in den Wald führt. Einst war hier ein alter Eingang einer gestalteten Parkanlage, der zum Wald umgestaltet wurde. Wie der Name der Allee schon verrät, sind hier zahlreiche Linden angesiedelt, die ökologisch sehr wertvoll sind und als wichtige Futterquelle dienen.

Habt ihr gewusst, dass es Winter- und Sommerlinden gibt und die älteste Linde 77 Jahre alt ist? Allein mit der ersten Station habe ich schon so viel Neues erfahren, dass ich mich auf die weiteren Stationen umso mehr freue.

Kleiner Abstecher zum Bismarckturm

Dann geht es für uns auf in den Wald, vorbei an einem Waldkindergarten, wo gerade Rushhour herrscht. Nach wenigen Metern weist uns an einer Kreuzung ein Holzbrett mit dem Logo des Höhentrails den Weg nach links. Genau hier befindet sich die zweite Station mit einem QR-Code und dem Thema: Naturverjüngerung Berg-/Spitzahorn.

An der nächsten Gabelung, die nicht lange auf sich warten lässt, stehen wir vor einem Gedenkstein von Friedrich Greff. Auch hier sollen wir uns links halten. Wir gehen immer weiter in den Wald und entdecken eine Schutzhütte.

An dieser Stelle sollen wir, laut Höhentrail-Wegweisen, leicht links dem Weg folgen, wir machen aber einen kleinen Abstecher nach rechts und folgen ein paar Meter dem Weg. Unser Ziel: das nächste beeindruckende Denkmal – der Bismarckturm. 1900 wurde er in einer Zeit patriotischen Hochgefühls errichtet, ist über 18 Meter hoch und steht auf der höchsten Erhebung des Hohen Buch.

Da wir früh morgens unterwegs sind, scheint die Sonne nahezu mystisch durch die Bäume auf die zahlreichen Sitzgelegenheiten daneben. Ich genieße diesen Ort und dieses Schauspiel noch einen Moment, dann geht es wieder zurück zum Höhentrail.

SchülerInnen erklären die Natur

Nach ein paar Metern passieren wir einen alten Wasserspeicher und finden schon die dritte Station, bei der es um das „Habitat Wurzelstock“ geht. Scannt ihr hier den QR-Code, erklären SchülerInnen des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium aus Viersen via YouTube, warum Totholz für den Wald gut und wichtig ist. Als Multifunktions-Biotop steckt hier nämlich jede Menge Leben drin.

Dann geht es leicht rechts weiter und an der nächsten Möglichkeit wieder rechts, tiefer in den Wald hinein. Die nächste Station 4 zum Thema „Waldlichtung“ lässt nicht lange auf sich warten. Wir gehen weiter, scharf links hoch und geradeaus auf eine Schutzhütte zu.

Auch hier dauert es nur wenige Meter, bis wir Station 5 „Aufforstung Nadelwald im Bestand“ mit dem nächsten QR-Code und dem nächsten YouTube-Video erreichen. Zu Wort kommen hier Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums aus Viersen. Genau hier wurden verschiedene Arten von Nadelbäumen gepflanzt – eine neue Waldgeneration, aber warum? Ein gemischter Nadelwald kann tatsächlich besser mit Trockenheit umgehen, Nadelbäume produzieren das ganze Jahr über Photosynthese und wachsen schneller.

Station 6 - Adlerfarn 

Tausendsassa Farn

Unser Weg führt uns ab hier ein ganzes Stück geradeaus und als wir die nächste Gabelung rechts gehen, folgt die 6. Station mit dem Thema „Adlerfarn“. Oft sehe ich bei meinen Wanderungen am Niederrhein große Bereiche, die mit Farn bedeckt sind. Gedanken über diese wichtige Pflanze habe ich mir aber noch nie gemacht. Gut, dass die Deutsche Waldjugend im passenden YouTube-Video nach dem Einscannen des QR-Codes mehr dazu verrät.

Der Farn wächst gerne auf nährstoffarmen, sauren Böden und dient als dichter, sicherer Schutz für Tiere wie die Waldschnepfe, Rehe oder sogar Wildschweine. Früher wurde Farn vielfältig genutzt – als Streu für Tiere oder als Lebensmittel zum Einwecken. Im Winter stirbt die Pflanze ab, treibt aber im Frühjahr wieder aus.

Abwechslungsreiche Umgebung

Wieder ein bisschen schlauer wandern wir weiter, passieren rechterhand das Süchtelner Wildgehege, biegen an der nächsten Gabelung nach rechts ab und schon öffnet sich die Landschaft ein wenig.

Die nächsten Höhentrail-Stationen sind nicht weit entfernt und drehen sich um das Habitat „stehendes Totholz“, den „Jungbuchenbestand“ und die „Wildwiese“. Bis zu diesem Punkt begleitet uns auf der rechten Seite weites Feld, zur Linken bleibt uns der Wald weiter erhalten. Im Bereich der Station „Wildwiese“ führt uns der Weg vorbei an einem Waldfriedhof und dann ein paar Schritte weiter wieder links in den Wald.

Die Irmgardiskapelle

Ab der elften Station „Buchenwald“ folgt ein kleiner Anstieg direkt zum Lindenplatz – Station 12 – mit der wunderschönen, weißen Irmgardiskapelle, die idyllisch auf den Süchtelner Höhen liegt. Umgeben von altem Baumbestand strahlt die kleine Kapelle eine stille Würde aus, die mich sofort zur Ruhe kommen lässt.

Seit Jahrhunderten ist sie ein Ort der Einkehr und Pilgertradition – benannt nach der heiligen Irmgard von Süchteln, die im 11. Jahrhundert als Wohltäterin der Region verehrt wurde. Wenn ihr hier eine Pause einlegt, spürt ihr die Verbindung von Geschichte, Spiritualität und Natur besonders intensiv. Ein Platz, an dem der Höhentrail seine ruhige, fast meditative Seite zeigt.

Scannt ihr hier den QR-Code, erzählt Niklas vom Süchtelner Heimat- und Verschönerungsverein mehr über die Bedeutung des Lindenbaumes, der hier eine zentrale Rolle spielt. Früher traf man sich im Dorf unter einer Linde, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Oft wurden Linden vor Kirchen und Kapellen gepflanzt, um Zusammenhalt zu symbolisieren und auch die herzförmigen Blätter passen perfekt zu diesem Bild.

Weitere Höhentrail-Einstiege

Auch wenn ihr den kurzen halt hier sehr genossen habe, geht es für uns weiter, denn ein paar Stationen liegen noch vor uns. Wieder wird die Umgebung abwechslungsreich und gleich vier weitere Stationen säumen unseren Weg – das „Feuchtbiotop“, die „Aufforstung Esskastanie“, die „Blühwiese“ und die „Stechpalme“. An zuletzt genannter Station 16 kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Warum? Das seht ihr dann!

In der Nähe der Station 13 „Feuchtbiotop“ – in Höhe des Sportpark Süchtelner Höhe –  ist übrigens der nächste Höhentrail-Einstieg mit einem großen Infoschild.

An Station 16 biegen wir rechts auf einen asphaltierten Weg und erreichen nicht nur den dritten Höhentrail-Einstieg an der Kastanienallee bzw. am Minigolfplatz, sondern auch Station 17.

Hier war früher der Kletterwald Niederrhein angesiedelt, heute ist hier das Zentrum der Deutschen Waldjugend Viersen. Und genau die steckt auch hinter dem nächsten YouTube-Video.

Mein persönliches Fazit

Nur noch vier Stationen dann ist der Höhentrail leider schon geschafft. Nach gut zwei Stunden, zahlreichen Entdeckungen und spannenden Stationen endet unsere Tour am Ausgangspunkt – und doch bleibt das Gefühl, etwas Neues über den Wald und seine Geheimnisse gelernt zu haben. Der Höhentrail ist nicht nur eine Einladung, die Natur mit anderen Augen zu sehen, sondern auch ein gelungenes Beispiel dafür, wie Tradition und moderne Vermittlung zusammenfinden können.

Wenn ihr Lust auf Bewegung, frische Luft und kleine Aha-Momente habt, solltet ihr euch dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Und vielleicht nehmt ihr beim nächsten Spaziergang durch den Wald auch euer Smartphone in die Hand – nicht, um Nachrichten zu checken, sondern um die Natur noch ein Stück besser zu verstehen.