Unterwegs in Schermbeck – Charmanter Erholungsort mit jeder Menge Geschichte

17.10.2025

Ein Ort, der Natur, Geschichte und moderne Kultur auf charmante Weise verbindet – so lässt sich Schermbeck wohl am besten beschreiben. Eingebettet in den Naturpark Hohe Mark und umgeben von vier Regionen – dem Münsterland, dem Ruhrgebiet, Westfalen und dem Rheinland – hat das knapp 111 Quadratkilometer große Städtchen einiges zu bieten. Hier trifft man auf alte Stadtmauern, Mühlenräder und ein Wasserschloss, entdeckt aber auch liebevoll gestaltete Spielplätze, abwechslungsreiche Hörstationen und kulturelle Veranstaltungen in historischen Gebäuden. Seit kurzem darf sich Schermbeck sogar staatlich anerkannter Erholungsort nennen. Ihr wollt mehr erfahren? Einfach weiterlesen…

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In Schermbeck war ich schon öfters zu Besuch. Auch das Landhotel Voshövel befindet sich hier, aber nicht nur Wellness-Fans kommen in diesem Ort auf ihre Kosten. Wer Lust auf Naturerlebnisse hat, findet hier den Hohe Mark Steig, den Landstreifer-Rundwanderweg Üfter Mark oder den Erlebnispfad „Neue Wildnis Dämmerwald“. Gleichzeitig laden Museen, Kapellen und kleine inhabergeführte Läden dazu ein, die Geschichte und die Gegenwart des Ortes auf eigene Weise zu erleben. Dieses Zusammenspiel aus Vergangenheit, Gegenwart und Natur macht Schermbeck zu einem ganz besonderen Ziel am Niederrhein.

Diesen Ort möchte ich heute näher erkunden. Ich bin mit Birgit Lensing von der Tourist-Info verabredet, die mich auf einem historischen Rundweg durch die Ortsmitte begleitet. Zahlreiche Hörstationen machen dabei Geschichte hörbar und sorgen für spannende Entdeckungen. Unser Treffpunkt ist die Tourist-Info an der Weseler Straße 3, wo sich früher die Volksbank befand. Schon beim Eintreten fällt mir die Vielzahl an Prospekten und Informationen auf – ein perfekter Ausgangspunkt für unsere Tour. „Wir sind hier noch relativ neu und freuen uns über die vielen Gäste, die uns schon besucht haben“, erzählt mir Birgit mit einem Lächeln. Von hier aus starten wir unsere Entdeckungstour durch Schermbeck.

Start: Tourist-Info

Wir verlassen die Tourist-Info, überqueren die Straße und nach wenigen Metern haben wir gleich mehrere interessante Highlights erreicht. Wir stehen vor dem Eiscafé La Fontana an der Mittelstraße. „Leider ist es heute etwas ungemütlich, sonst wäre der Außenbereich der Gastronomie gut gefüllt. Hier gibt es übrigens nicht nur leckeres Eis, sondern auch Frühstück und ausgewählte Weine in der Vinoteca mit feinen Kleinigkeiten wie Bruschetta, italienischen Käsespezialitäten sowie Wurst- und Schinkenspezialitäten“, erklärt mir Birgit. „Aber hier gibt es noch einiges mehr zu entdecken.“

Übersichtskarte von radrevier.ruhr

Alles auf einen Blick

Zuerst zeigt mir Birgit die historische Brunnenscheibe, die u.a. die Kirchen des Ortes zeigt. Daneben befindet sich ein Gemeindeplan. Als wir uns umdrehen, geht es mit den Informationen nur ein paar Schritte weiter: Wir stehen am Knotenpunkt 17 mit Karte ergänzt durch eine weitere Übersichtskarte von radrevier.ruhr, die beide einen guten Überblick über die Anbindung Schermbecks bieten. Von hier aus lassen sich zahlreiche Radtouren durch die Umgebung starten. Schermbeck ist ein Grenzgänger-Ort, denn hier treffen alle vier Himmelsrichtungen aufeinander: Im Norden das Münsterland, im Süden das Ruhrgebiet, im Osten Westfalen und im Westen das Rheinland.

Bevor wir uns dem Mühlenteich nähern, gibt es noch weitere Info-Punkte, wie ein Informationsschild zur Römer-Lippe-Route, diese durchquert Schermbeck und bietet eine thematische Wegeschleife u.a. zum „römischen Streitwagen“ des Schermbecker Metallbauers Martin Stern.

Stelen zum Erlebnispfad Neue Wildnis Dämmerwald

Erlebnispfad Neue Wildnis Dämmerwald in der Nähe

„Daneben haben wir eine Stele als Hinweis auf den 2,6 Kilometer langen Erlebnispfad ‚Neue Wildnis Dämmerwald‘ positioniert. So bekommt man einen Überblick, was diesen Pfad ausmacht und was es gerade mal acht Kilometer von hier entfernt zu entdecken gibt“, erklärt Birgit.

Genau diesen Erlebnispfad durfte ich bereits besuchen und in einem Blogbeitrag vorstellen. Die Highlights hier: Das Wildnistor, die Wildnisstation und sechs „Fenster“ am Wegesrand geben Einblicke in den Wandel eines alten Buchen- und Eichenwaldes zur Wildnis von morgen.

Hörstationen auf dem Weg

Wir gehen weiter in Richtung Mühlenteich und erreichen die erste Hörstation, eine von vielen und zu unterschiedlichen Themen wie „Lieblingsorte in Schermbeck“ zu dem dieser QR-Code gehört. Das Besondere hier: Schermbecker Gesamtschüler haben ihre Heimat erleb- und hörbar gemacht

„Ebenso gibt es Hörstationen zum Thema ‚Historischer Rundweg‘ und auch in der Ortschaft Gahlen wurden elf Hörstationen errichtet – dort sogar auf Plattdeutsch und Hochdeutsch“, lacht Birgit. „Für Familien gibt es zudem eigene Hörstationen, die sich rund um die schönsten Spielplätze in Schermbeck drehen.“

Rundgang Mühlenteich

Direkt neben den Hörstationen laden zwei Holzliegen zum Verweilen ein. „Dieser Bereich hier wurde neu gestaltet, samt der Liegen, und auch der Zaun am 2. Teich wurde vom gemeindlichen Bauhof erneuert“, erzählt mir Birgit bei unserem kleinen Rundgang, der knapp zehn Minuten dauert und über eine kleine Brücke und an der unteren Mühle vorbeiführt. Zwischendurch gibt es auf dem Weg immer wieder Ruhebänke.

Nach ein paar Minuten gelangen wir zur oberen Burgmühle mit dem alten Mühlenrad, auch hier wartet eine Hörstation mit spannenden Infos. Rechts begleitet uns der Mühlenteich, wir passieren das Siedlungsgebiet „Böser Berg“ und biegen in die Straße „Zum Bleichwall“ ein – vorbei an einem Spielplatz mit Wasser-Action. Viele dieser modernen Spielplätze sind ebenfalls mit QR-Codes ausgestattet.

Auf zum Heimatmuseum

„Vor uns sehen wir jetzt ein Stück alte Stadtmauer, die 1986 restauriert wurde“, erklärt Birgit weiter. „Und rechts hast du einen Blick auf die Schermbecker Burg bzw. das ehemalige Wasserschloss.“ Das schauen wir uns später auch noch von außen an, denn es befindet sich heute in Privatbesitz.

Wir laufen direkt auf das Heimatmuseum (Steintorstraße 17) zu und treffen dort Ingrid Brinkmann, die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Schermbeck. Vor dem Museum stehen zwei weitere Hörstationen: eine zum „Historischen Rundweg“, die andere zu den „Lieblingsorten in Schermbeck“. Kinder erzählen hier, wie die Menschen hier früher gelebt haben.

Aktuelle Dauerausstellung im Heimatmuseum

Aktuelle Dauerausstellung

Dann öffnet uns Ingrid aber schon die Tür und lädt uns auf eine kleine Zeitreise durch Schermbecks Geschichte ein. „Wir beginnen mit der aktuellen Dauerausstellung zum Thema „Flughafen im Exil – Das Ruhrgebiet 1925“, die sich mit der Geschichte eines provisorischen Flugplatzes in der Heide zwischen Dorsten und Erle vor 100 Jahren befasst. Nur vier Monate war dieser Flughafen geöffnet, aber lag so weit außerhalb, dass der Standort sich nicht durchgesetzt hat. Es gibt aber noch viel mehr über die Anfänge der Fliegerei zu entdecken“, erklärt mir Ingrid. Was das alles ist, dürft ihr natürlich selbst entdecken!

Einen Zahn zulegen

Das Heimatmuseum war früher ein Ackerbürger- bzw. Handwerkerhaus und das schauen wir uns noch etwas genauer an. In einem Raum befindet sich ein alter Kamin, davor hängt ein Kessel „Kennst du den Spruch ‚Einen Zahn zulegen‘ bzw. weißt du, wo sein Ursprung liegt?“, fragt mich Ingrid und klar kenn ich den Spruch, aber woher er kommt, keine Ahnung. „Man hatte früher immer einen Kessel mit leichter Brühe für Fleisch und Gemüse vor dem Kamin hängen. Wenn Besuch kam, wurde diese Brühe bestückt und der Kessel über Zacken tiefer gehangen, damit das ganze schneller für die Gäste gart.

Der Hochzeitsboden

Aber nur nicht der Kamin hat eine Geschichte, auch der Boden. „Hier handelt es sich um einen Hochzeitsboden, da stehen die Namen der Eheleute aus Steinen drin – Johann und Elisabeth. Die beiden haben 1859 geheiratet. Wechselte das Haus den Besitzer, wurde diese Steine ausgetauscht“, erklärt mir Ingrid weiter.

Habt ihr gewusst, dass oft auch vier Herzen im Eingangsbereich aus Steinen im Boden zu sehen waren? Das symbolisiert ein Kleeblatt und derjenige, der reinkommt, soll Glück ins Haus bringen.

Nach Flachs kam Ton

Schermbeck war ursprünglich auch für Flachs bekannt. Nach der Industrialisierung am Niederrhein musste man sich neu orientieren, und so rückte der Ton in den Mittelpunkt.

„Hier oben haben wir auch einiges zur Geschichte der Töpferei in Schermbeck und jede Menge Exponate aus Gewerbe, Landwirtschaft und Haushalt“, führt Ingrid die kleine Führung fort. „Gerade hier oben entstehen zwischen den Generationen spannende Gespräche, besonders wenn Großeltern mit ihren Enkelkindern hier sind. Das macht unser Heimatmuseum einfach aus.“

Mehr Geschichte

Wollt ihr dem Heimatmuseum einen Besuch abstatten? Geöffnet ist dieses sonntags von 10 bis 13 Uhr und von November bis Februar nur am ersten Sonntag im Monat – oder nach Vereinbarung. Aber es ist nicht das einzige Museum in Schermbeck: Das Strommuseum in Damm, das Privatmuseum „Das Alte erhalte“ im Weselerwald und die Heimatscheune „Olle Schuer“ in Gahlen laden ebenfalls zu spannenden Entdeckungen ein.

Die weiße Kapelle

Wir verabschieden uns, denn Birgit und ich haben schon das nächste Ziel im Auge – eine weiße Kapelle bzw. eine ehemalige, reformierte Kirche (Burgstraße 5). Nur wenige Schritte ist dieser achteckige Bau entfernt und wurde 1786 fertig gestellt. „Ich habe einen Schlüssel mit, wir können gerne mal hineingehen“, lädt mich Birgit ein. „Wir haben hier eine hervorragende Akustik und so finden hier nicht nur Trauungen und Lesungen, sondern auch Konzerte oder andere kulturelle Events statt.

Auch hinter diesem Gebäude steckt jede Menge Geschichte, die auch hier durch Hörstationen wieder lebendig wird. „Es gibt wohl kaum ein zweites Gebäude in Schermbeck, das in den Jahren so viele unterschiedliche Nutzungen erfahren hat“, verrät mir Birgit. „Errichtet unmittelbar vor dem Wasserschloss, diente es nach der Zeit als Kirche 85 Jahre lang als Schulgebäude. 1956 wurde hier eine Zweigstelle der Kreisbücherei eingerichtet und seit 2004 ist sie Kulturstube für vielfältige Veranstaltungen.“

Das Wasserschloss

Nur wenige Schritte weiter nähern wir uns dem Wasserschloss, der früheren Landesburg der Grafen und Herzöge von Kleve, das heute im Privatbesitz von Familie Prinz ist. Ist der Name nicht mehr als perfekt für so ein Anwesen? Ein Schild weist darauf hin, dass man das Gelände nur zu Fuß oder mit dem Rad betreten darf.

„Die Klevische Landesburg wurde um 1319 erbaut, wurde aber oft zerstört, immer wieder auf- und umgebaut und ist seit 1662 in Privatbesitz, Familie Prinz ist schon seit 1859 hier angesiedelt“, erzählt mir Birgit und passend zum Stichwort kommt auch Herr Prinz auf uns zu, begrüßt uns freundlich und zeigt uns kurz den Hof inklusive einem alten Gefängniskerker, wo Verbrecher früher „zwischengelagert“ wurden.

Schöne, historische Gassen & kleine Läden

Wir verlassen das Burggelände wieder, dass uns auf unserem Weg aber noch ein Stück begleitet und passieren als nächstes charmante Gassen, die von Anwohnern liebevoll mit Pflanzen und Dekoration gestaltet wurden.

Ein paar Meter weiter, in der Straße „Hinter der Mauer“, stoßen wir auf eine weitere Hörstation, die an die frühere jüdische Synagoge erinnert – einst Zentrum der größten jüdischen Landgemeinde am Niederrhein, bis sie 1938 zerstört wurde.

Die nächsten beiden Hörstationen und das nächste historische Gebäude, an dem wir vorbeikommen, ist die evangelische Kirche St. Georg. Wir gehen seitlich vorbei und stehen vor einem schönen Außenbereich der Gastronomie „Schermbecker Mitte“ und biegen wieder rechts ab.

Jetzt sind wir auf der Mittelstraße, eine kleine Einkaufsstraße mit inhabergeführten Läden. Vorbei am Concept Store „by A store“ erreichen wir schräg gegenüber die nächsten Hörstationen. Hier befindet sich das Geburtshaus des Autors Gustav Sack. Der Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker wurde hier 1885 geboren und verstarb 1916.

Letzter Halt: Schermbecker Ehrenmal

Wir gehen in Richtung katholische Kirche St. Ludgerus, weiter bis zur Volksbank mit der historischen Töpfer-Skulptur, und biegen dann in eine kleine Gasse ein, die ebenfalls von Anwohnern liebevoll gestaltet wurde.

Vorbei am Heimatmuseum und an der weißen Kapelle erreichen wir den letzten Stopp: das Schermbecker Ehrenmal mit Löwenstatue, 1934 eingeweiht und 2020 saniert. Auch hier liefert ein QR-Code spannende Infos.

Was Schermbeck sonst noch zu bieten hat?

Jede Menge! Ganz in der Nähe der Innenstadt gibt es noch einige Anlaufstellen, die einen Besuch wert sind. Hier eine kleine Auswahl:

- Archehof Lühlerheide, ein Schutzraum für selten gewordene und in ihrem Bestand bedrohte Tiere mit angeschlossenem Café und Hofladen, Garten und Spielmöglichkeit, außerdem Station direkt am Hohe Mark Steig (Wanderroute)

- Bauer Graaf, ein örtlicher Hofladen, der u.a. die „Schermbecker Kiste“ voller regionaler Köstlichkeiten anbietet (ein Projekt entstanden in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Waal)

- Forellenzuchten und Angelpark

- Erlebnispfad Neue Wildnis Dämmerwald (wie im Blog schon erwähnt)

Und das ist längst nicht alles… Schermbeck zeigt sich als lebendiger Ort voller Geschichte, Natur und überraschender Vielfalt.