Geocaching in Wachtendonk: Auf moderner Schatzsuche zwischen Natur, Geschichte und Nervenkitzel
Versteckte Hinweise, geheimnisvolle Behälter, knifflige Rätsel – wer in und um Wachtendonk unterwegs ist, kann sich ganz nebenbei auf ein spannendes Abenteuer begeben. Geocaching, die digitale Schatzsuche, begeistert weltweit Millionen Menschen – und auch bei uns am Niederrhein wächst die Fangemeinde stetig.
Ich wollte wissen, was hinter dem Hype steckt – und habe mich selbst auf die Suche gemacht. Gemeinsam mit Geocaching-Experte Christoph Tekath, der hier über 50 Caches entworfen hat, starte ich meine erste Tour. Was ich dabei erlebt habe, hat meine Sicht auf Spaziergänge für immer verändert. Lest selbst…
Was ist Geocaching überhaupt?
Geocaching ist eine Art digitale Schatzsuche. Weltweit gibt es inzwischen mehrere Millionen Geocaches. Mit Hilfe eines GPS-Geräts oder einer App begeben sich Geocacher auf die Suche nach sogenannten „Caches“ – in der Regel kleine Behälter, die irgendwo in der Natur, in Städten oder an historischen Orten versteckt sind. Darin befindet sich meist ein Logbuch, in das man sich als Finder einträgt. Manche Caches enthalten auch kleine Tauschgegenstände oder Rätsel, die gelöst werden müssen. In Wachtendonk sieht das ein wenig anders aus.
Warum begeistert Geocaching so viele?
Weil es Natur, Bewegung und Abenteuer auf einzigartige Weise verbindet. Ob allein, mit Freunden oder als Familienausflug: Geocaching bringt Menschen raus an die frische Luft, führt sie zu versteckten Plätzen und ermöglicht neue Perspektiven auf altbekannte Wege.
In Wachtendonk erleben viele Geocacher genau das. Die Gemeinde bietet mit ihrer idyllischen Natur, dem historischen Ortskern und gut ausgebauten Wegen die perfekte Kulisse für abwechslungsreiche Touren. Und das Beste: Die Geocaches sind hier wirklich etwas Besonderes.
Lokaler Held des Geocachings: Christoph Tekath
In Wachtendonk gibt es nicht nur viele Caches – es gibt auch einen Menschen, der über 50 dieser Caches mit viel Herzblut zum Leben erweckt hat. Die Rede ist von Christoph Tekath. Als aktiver Geocacher betreut er liebevoll zahlreiche Routen in der Region – ehrenamtlich, auf eigene Kosten und mit enormem persönlichem Einsatz. Christophs Touren sind in der Community äußerst beliebt: abwechslungsreich, durchdacht und immer wieder mit kreativen Ideen gespickt.
Christoph ist seit 2010 per Zufall durch seine Schwester auf das Thema Geocaching aufmerksam geworden und war nach der ersten Tour sofort infiziert. Der nächste Schritt, selbst Caches zu bauen, lag als gelernter Dachdecker dann schnell Nahe.
Haus Püllen - Tourist Information Wachtendonk
Geocaching als Wirtschaftsfaktor
Heute bekomme ich einen kleinen Einblick in seine Geocache-Welt und bin sehr gespannt, was mich gleich erwartet. Verabredet sind mein Fotograf und ich mit Christoph am Haus Püllen, wo die Tourist Information untergebracht ist.
Bevor es los geht, habe ich noch die Gelegenheit, kurz mit Maria Mertens, bei der Gemeinde für Tourismus und Kultur zuständig, über das Thema Geocaching in Wachtendonk zu sprechen.
Was viele nicht wissen: Geocaching bringt Gäste und Umsatz. „Zahlreiche Gastronomie- und Übernachtungsbetriebe in Wachtendonk berichten seit Jahren, dass Geocacher bei ihnen einkehren, übernachten oder sogar ganze Wochenenden bleiben, um möglichst viele Routen zu absolvieren. Denn wer einmal auf Schatzsuche geht, möchte meist mehr – und das gerne direkt vor Ort“, erklärt mir Maria. „Dabei kommen die Geocaching-Touristen auch aus Holland, Belgien, Frankreich, Luxemburg und Dänemark“, bestätigt auch Christoph.
Deshalb ist es ein Anliegen der Gemeinde, das Thema Geocaching stärker in den Fokus zu rücken. Es verbindet Tourismus, Nachhaltigkeit, Ehrenamt und Gemeinschaft auf eine Weise, wie es nur wenige Freizeitaktivitäten tun.
Der 08/15-Cache
Wir machen uns auf den Weg und gehen zur 1. Station des Caches mit dem lustigen Namen „08/15“, 12 Stationen und einer Streckenlänge von vier Kilometern. „Der Name ist entstanden, weil ich die Erwartungen nicht zu hochschrauben wollte, was gar nicht funktioniert hat“, lacht Christoph. „Es hat sich mittlerweile in der Szene herumgesprochen, dass ich natürlich alles andere als 08/15-Caches entwerfe.“ Achtung Spoiler: Das kann ich definitiv bestätigen!
Bis wir ankommen, gibt mir Christoph noch einen kleinen Geocaching-Schnellkurs, da ich blutige Anfängerin bin. Dabei erfahre ich, dass ein Cache in der Regel, je nachdem mit wie vielen Personen man unterwegs ist und wie viele Stationen es gibt, so etwa drei bis vier Stunden dauert.
Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Caches bzw. Kategorien. Dieser hier ist ein sogenannter Multicache, der mindestens zwei und bis zu 100 Stationen haben kann. Es gibt sonst noch andere Kategorien wie den traditionellen Cache, aber auch den sogenannten Mystery-Cache, bei dem man die Rätsel zu Hause lösen muss, erst dann erhält man die Koordinaten.
Perfekte Verstecke…
Unsere führen uns in eine Ecke einer Turnhalle. Auf dem ersten Blick fällt mir ein loser Ziegelstein auf und vermute hier weitere Infos. Allerdings trügt der Schein, das Versteck ist ein Kasten, der mir nicht ins Auge gefallen wäre. Christoph hat es geschafft, das Versteck nahezu perfekt in die vorhandene Umgebung „einzubauen“.
Mit etwas Unterstützung von dem Experten öffne ich den Kasten und bin überrascht, dass es hier neben einer Anweisung mehrere Schlüsselbunde gibt. Einen davon nehme ich mit.
„Wenn man sich auf der Webseite geocaching.com angemeldet hat und z.B. den Suchbegriff Wachtendonk und diesen Cache gefunden hat, gibt es einen Terminkalender, in dem man sich eintragen kann, damit nicht zu viele Teams womöglich gleichzeitig starten“, erklärt mir Christoph, eine wichtige Info für alle, die diesen Cache am liebsten direkt ausprobieren möchten.
… mit Lost Place-Charme
Zu diesem Kasten geht es später noch einmal zurück und wir machen uns weiter auf den Weg, die anderen Stationen zu finden. Eine befindet sich an der Burgruine und ist wieder perfekt in die Umgebung „integriert“. Memo an mich: Beim Geocaching macht man sich auch dreckig. Und dieses Mal musste ich ein bisschen mehr suchen, aber es hat sich gelohnt.
Auch einer der Schlüssel von der ersten Station kam wieder zum Einsatz. Es macht mir immer mehr Spaß, weil es jedes Mal ein kleines Erfolgsgeheimnis ist, wenn ich etwas entdecke.
Aber was macht Christoph am meisten Spaß: „Alles passgenau in das urbane Umfeld einzubauen, quasi auffällig unauffällig zu sein. Dabei bin ich auch dankbar, dass die Gemeinde meine Geocaching-Bauten so unterstützt und das genehmigt. Das ist ein perfektes Geben und Nehmen. Wachtendonk profitiert von den zahlreichen Geocache-Touristen und ich kann meine Ideen verwirklichen.“
Das große Finale
Bevor das Finale näher rückt, führen uns die Koordinaten nochmal zurück zur ersten Station, hier muss ich nicht nur den Schlüssel abgeben, sondern wieder Codes in Schlösser eingeben, um zu einem besonderen Gegenstand zu gelangen – einem alten Telefon mit Drehscheibe. Auch hier wird wieder eine Zahlenkombination gesucht, die ich mir zuvor erarbeitet habe. Eine Computerstimme, die weitere Codes und Koordinaten bereithält, führt mich dann auf einen Schulhof.
Hier ist auch wieder Suchen gefragt und ich entdecke eine große Kiste, dessen Inhalt mich noch mehr überrascht hat, als bei allen Stationen davor. So viel verrate ich euch: Es wird musikalisch, bunt und fast ein bisschen episch.
Sneak-Peak „Nacht-Cache – Blackout@Night“
Für mich ist mein Geocaching-Abenteuer aber noch nicht zu Ende. Christoph zeigt mir noch weitere Stationen für einen weiteren besonderen Cache, der abends stattfindet und den Namen „Blackout@Night“ trägt. Hinter jedem seiner Caches steckt übrigens auch eine kleine Geschichte, die sich Christoph dazu ausdenkt. In diesem Fall ist Wachtendonk von einem großflächigen Stromausfall betroffen, den es zu überwinden gilt.
Start ist das Hotel Casalino. „Es gibt drei Startzeiten und die sollten eingehalten werden, 18.15, 20.15 und 22.15 Uhr. Die Zeit kann man wieder über den Terminkalender buchen und man sollte pünktlich vor der Zeit da sein“, betont Christoph.
Eine nächste Station befindet sich direkt auch im Naturerlebnispfad an einer Brücke, den ich in einem andern Blog für euch schon erwandert habe. „Schau mal, da vorne sind blaue Punkte, das sind Reflektoren, die markieren, dass es hier was zu finden gibt. Weiße Reflektoren weisen den Weg bei diesem Cache“, erklärt mir Christoph weiter.
Ebenso besonders ist eine Station, bei der man sogar klettern muss. Aber das dürft ihr jetzt alles selbst entdecken und erleben…
Mein Fazit
Was ich an diesem Tag erlebt habe, war viel mehr als ein Spaziergang. Es war ein spielerisches Abenteuer, das Kreativität, Bewegung und Gemeinschaft vereint – und dabei ganz nebenbei die Region auf völlig neue Weise zeigt.
Wer Lust hat, selbst in die Welt der digitalen Schatzsuche einzutauchen, findet in Wachtendonk die perfekte Gelegenheit. Dank Menschen wie Christoph Tekath – und der Unterstützung durch die Gemeinde – ist hier ein Ort entstanden, der Geocacher aus ganz Europa begeistert.
Also: App installieren, bequeme Schuhe anziehen, losziehen. Der nächste Schatz wartet vielleicht direkt um die Ecke – und vielleicht ist er gar nicht so leicht zu finden.