Besondere Wanderrouten – Teil 28: Der Premium-Spazierwanderweg Tackenbendener Runde in Niederkrüchten
Es gibt Wanderwege, bei denen man von Anfang an weiß, was einen erwartet. Und dann gibt es den Premium-Spazierwanderweg Tackenbendener Runde in Niederkrüchten. Auf 6,6 Kilometern wechseln Feuchtwiesen, urige Bruchwälder, stille Gewässer und eine beeindruckende Wacholderheide ab. Eine Wanderung, die mit jedem Kilometer ein neues Landschaftsbild bereithält und sich wie ein kleiner Tapetenwechsel anfühlt. Meine Highlights? Einfach weiterlesen…
Entspannter Start
Meine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Elmpter Schwalmbruch beginnt am Wanderparkplatz Tackenbenden. Natürlich gibt es hier ein großes Hinweisschild mit allen Infos wie dem Streckenverlauf und den Besonderheiten, die man braucht. Schon nach wenigen Schritten wird deutlich, warum die Strecke zu den Premium-Spazierwanderwegen der Wasser.Wander.Welt zählt. Der Wanderweg ist natürlich wieder mit dem bekannten „W“ in hellblau beschildert und man kann sich praktisch nicht verlaufen.
Der Weg führt links zunächst schnurgerade durch die weitläufigen Tackenbendener Feuchtwiesen und rechts von uns breiten sich sattgrüne Wiesen aus. Besonders ins Auge fallen mir die zahlreichen Kopfweiden und einige weiße Kühe. Beides gehört einfach zum typischen Landschaftsbild des Niederrheins und verleihen diesem ersten Abschnitt seinen ganz eigenen Charme. Ich mag diese alten Bäume mit ihren knorrigen Stämmen und den jungen Trieben, die jedes Jahr aufs Neue austreiben. Zusammen mit den Wiesen entsteht eine Ruhe, die sofort entschleunigt.
Gerade am frühen Morgen, wenn sich vielleicht noch Nebelschwaden über die Wiesen legen, muss dieser Abschnitt besonders stimmungsvoll sein. Aber auch an meinem Wandertag ist außer Vogelgezwitscher und dem Rascheln der Blätter kaum etwas zu hören. Es sind genau diese Momente, die ich an Wanderungen liebe – einfach losgehen, tief durchatmen und den Alltag für eine Weile hinter sich lassen.
Charmanter Abstecher
Kurz darauf verändert sich das Landschaftsbild erneut. Rechts schimmern die ersten lilafarbenen Heideflächen durch die Bäume und wir folgen dem Weg rechts zu einem größeren Gewässer, das plötzlich wie aus dem Nichts vor uns auftaucht. Fast wirkt es, als wäre es einem Märchen entsprungen.
Ich nehme auf der Bank am Ufer Platz und lasse die besondere Stimmung auf mich wirken. Ein alter, umgestürzter Baum und unzählige Seerosen verleihen dem Gewässer einen ganz besonderen Charme. Hinter mir zieht sich die Zwergstrauch- und Wacholderheide wie ein lila Faden durch die Landschaft und begleitet mich von hier an immer wieder auf meinem weiteren Weg.
Die eben offene Wiesenlandschaft geht mittlerweile in einen schattigen Bruchwald über.
Immer wieder entdecke ich kleine Feuchtbiotope zwischen Erlen, Birken und dichtem Schilf. Das Licht fällt nur stellenweise durch die Baumkronen und taucht den Wald in eine ganz besondere Atmosphäre.
Schon nach wenigen Metern folgt wieder eine Bank und auch hier ist ein wunderschöner Blick inklusive.
Dem Lauf der Schwalm folgend
Ein paar Schritte weiter folgt der Weg dem Verlauf der Schwalm. Immer wieder schaue ich auf den kleinen Fluss und beobachte das Leben dort. Habt ihr gewusst, dass die Schwalm rund 46 km lang ist, bei Wegberg entspringt und schließlich bei Roermond in die Maas mündet? Heute wirkt sie wunderbar natürlich, doch das war nicht immer so. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Fluss intensiv genutzt. Im Mittelalter betrieben insgesamt 33 Wassermühlen entlang der Schwalm und ihrer Nebengewässer ihre Mühlräder. Neben dem Mahlen von Getreide spielte vor allem die Herstellung von Rapsöl eine wichtige wirtschaftliche Rolle.
Um genügend Wasser für die Mühlen bereitzustellen, entstanden Wehre und Staustufen. Zusätzlich wurde der Fluss auf deutscher Seite über weite Strecken begradigt und durch Entwässerungsgräben ergänzt, um neue Weide- und Ackerflächen zu gewinnen. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf die natürliche Flusslandschaft.
Heute verfolgt man genau den umgekehrten Weg. Durch Renaturierungsmaßnahmen erhält die Schwalm Stück für Stück ihre natürliche Dynamik zurück. Neue Fischtreppen verbessern die Durchgängigkeit des Flusses und schaffen wieder bessere Lebensbedingungen für zahlreiche Tierarten. Dass inzwischen sogar der Biber in dieses Gebiet zurückgekehrt ist, zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreich diese Maßnahmen inzwischen sind.
Ein kleiner Moorfrosch
Außergewöhnliche Artenvielfalt
Während ich weitergehe, fällt mir auf, wie unterschiedlich die Lebensräume entlang der Strecke sind. Genau das macht das Naturschutzgebiet Elmpter Schwalmbruch so wertvoll. Auf engem Raum wechseln trockene Heideflächen, feuchte Moorbereiche, stille Gewässer und Bruchwälder miteinander ab. Diese Vielfalt schafft ideale Bedingungen für zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere.
So wachsen hier unter anderem Glockenheide, Moorlilien, Gagelsträucher oder sogar der fleischfressende Sonnentau. Auch verschiedene Orchideenarten wie das Knabenkraut haben hier ihren Lebensraum gefunden. Mit etwas Glück lassen sich außerdem Eisvögel, Blaukehlchen oder die schillernde Gebänderte Prachtlibelle beobachten. Selbst seltene Amphibien und Reptilien wie Moorfrosch, Kammmolch oder Kreuzotter sind im Elmpter Schwalmbruch heimisch.
Auch wenn ich nicht alle Bewohner zu Gesicht bekomme, reicht schon das Wissen um diese außergewöhnliche Artenvielfalt aus, um die Landschaft mit ganz anderen Augen wahrzunehmen. Man merkt schnell, dass jeder Meter dieses Weges Teil eines besonders schützenswerten Naturraums ist.
Nur ein Moorfrosch begegnet mir mitten auf dem Weg, der wahrscheinlich in Richtung Schwalm möchte, die nur wenige Meter entfernt ist.
Neues Landschaftsbild voraus
Nach dem schattigen Wald überrascht mich die Tackenbendener Runde noch einmal mit einem völlig anderen Landschaftsbild. Die Bäume treten zurück und vor mir breitet sich eine weite Heidelandschaft aus. Genau diese Abwechslung macht den Spazierwanderweg für mich so reizvoll. Eben noch war ich zwischen Erlen und Birken unterwegs, jetzt schweift der Blick über offene Flächen mit Heidekraut, Wacholdersträuchern und vereinzelten Kiefern.
Besonders beeindruckend finde ich die Weite. Es gibt kaum etwas, das den Blick einschränkt. Stattdessen lädt die Landschaft dazu ein, einfach einmal stehen zu bleiben und die Ruhe auf sich wirken zu lassen. Immer wieder stehen Bänke am Wegesrand, die genau dafür gemacht zu sein scheinen. Ich nehme mir bewusst ein paar Minuten Zeit, genieße die Stille und beobachte, wie der Wind sanft durch das Heidekraut streicht.
Aussichtsturm mit Heideblick
Ein Aussichtsturm, den ich natürlich direkt erklimme, gibt noch einen weiteren Blick auf die lila Heidelandschaft frei. Hier könnte ich länger bleiben.
Dass sich hier überhaupt eine Heide entwickeln konnte, ist übrigens kein Zufall. Die Flächen sind Relikte einer jahrhundertelangen Beweidung. Was früher durch Schafe und andere Weidetiere entstand, wird heute mit viel Aufwand gepflegt, damit dieser seltene Lebensraum erhalten bleibt. Besonders bemerkenswert ist die Wacholderheide. Sie zählt zu den letzten ihrer Art am linken Niederrhein und wächst hier auf saurem Boden – eine echte Besonderheit in der Region.
„Wasser für die Feuchtgebiete“
Direkt neben der Treppe befindet sich ein Hinweisschild mit dem Namen „Wasser für die Feuchtgebiete“, der über die Folgen des Tagebaus informiert. Der Wasserentzug durch den Tagebau hat Spuren hinterlassen, besonders die Feuchtgebiete sind gefährdet. Der Betreiber des Tagebaus ist allerdings verpflichtet, den Wasserhaushalt der sensiblen Naturstandorte durch Rückführung von Grundwasser zu stabilisieren. So werden große Mengen Grundwasser im fünf Kilometer entfernten Meinweg-Gebiet in den Untergrund geleitet. Auch das Naturschutzgebiet Elmpter Schwalmbruch wird so erreicht, denn dieses Gebiet gehört zu den wichtigsten und wertvollsten Feuchtgebiete in ganz Nordwestdeutschland.
Die perfekte Pause
Wir gehen weiter und wenig später erreichen wir eine schöne, hölzerne Bank, auf der man gemütlich liegt. Von hier aus eröffnet sich ein herrlicher Blick über das Naturschutzgebiet. Es ist einer dieser Orte, an denen man automatisch langsamer wird und den Rucksack für einen Moment abstellt.
Ich setze mich, genieße die Aussicht und merke schnell, wie angenehm still es hier ist. Keine Straßen, kein Verkehrslärm – stattdessen Vogelstimmen und das leise Rascheln der Heide. Genau solche Plätze machen für mich den Reiz einer Wanderung aus. Es geht nicht darum, möglichst schnell ans Ziel zu kommen, sondern bewusst kleine Pausen einzulegen und die Natur auf sich wirken zu lassen.
Wer etwas Proviant dabeihat, findet hier übrigens den perfekten Ort für eine kleine Rast. Viel schöner kann eine Bank mitten in der Natur kaum stehen.
Natur vom Bohlensteg aus
Der Weg führt uns weiter zu einem barrierefreien Bohlensteg, der mitten durch den empfindlichen Feuchtbereich verläuft. Holzplanken ersetzen hier den normalen Wanderweg und ermöglichen einen Blick in einen Lebensraum, den man sonst kaum so nah erleben könnte.
Ich bleibe einen Moment stehen und schaue ins Wasser. Zwischen Schilf und Wasserpflanzen herrscht reges Leben. Libellen schwirren über die Oberfläche, irgendwo raschelt es im Uferbereich und mit etwas Geduld lassen sich sicherlich noch viele weitere Tiere beobachten.
Gerade dieser Abschnitt zeigt eindrucksvoll, warum das Elmpter Schwalmbruch zu den ökologisch wertvollsten Gebieten am Niederrhein gehört. Das Naturschutzgebiet umfasst heute rund 296 Hektar und besitzt nicht nur regional, sondern auch europaweit eine hohe Bedeutung als sogenanntes FFH-Gebiet. Hier haben zahlreiche Tier- und Pflanzenarten überlebt, die andernorts längst verschwunden sind.
Mich fasziniert vor allem, wie unterschiedlich die Lebensräume auf so kurzer Strecke sind. Trockenheide, Moor, Feuchtwiesen, Bruchwald und Flusslandschaft gehen beinahe nahtlos ineinander über. Genau diese Vielfalt macht jede Jahreszeit auf der Tackenbendener Runde spannend.
Zurück durch eine Landschaft voller Geschichte
Langsam näheren wir uns wieder dem Ausgangspunkt der Wanderung. Der Weg verläuft noch ein Stück am Waldrand entlang, vorbei an einer Schutzhütte und schließlich zurück zum Wanderparkplatz.
Während ich die letzten Meter gehe, denke ich daran, wie eng Natur und Geschichte hier miteinander verbunden sind. Wo heute seltene Pflanzen wachsen und der Biber wieder heimisch geworden ist, wurde früher Landwirtschaft betrieben, wurden Moore entwässert und Flüsse begradigt. Dass sich die Natur durch Renaturierungsmaßnahmen viele Bereiche zurückerobern konnte, ist auf der gesamten Strecke spürbar.
Gerade deshalb empfinde ich die Tackenbendener Runde nicht nur als schöne Wanderung, sondern auch als eine kleine Entdeckungsreise durch die Geschichte der niederrheinischen Landschaft. Sie zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll solche Schutzgebiete sind – und dass sich ein genauer Blick auf die Natur immer lohnt.
Mein persönliches Fazit
Die Tackenbendener Runde gehört für mich zu den abwechslungsreichsten Premium-Spazierwanderwegen am Niederrhein. Obwohl die Strecke mit 6,6 Kilometern überschaubar ist, fühlt sich die Wanderung deutlich länger an – nicht wegen der Entfernung, sondern weil sich die Landschaft ständig verändert. Feuchtwiesen, Bruchwald, Heideflächen, kleine Gewässer und der Blick über das Elmpter Schwalmbruch sorgen dafür, dass keine Minute langweilig wird.
Besonders gefallen hat mir die Ruhe, die dieser Weg ausstrahlt. Es gibt keine spektakulären Attraktionen, dafür aber unzählige kleine Naturmomente, die den Spaziergang besonders machen. Wer gerne entschleunigt unterwegs ist, seltene Landschaften entdecken möchte und Freude daran hat, die Natur bewusst wahrzunehmen, sollte sich diese Tour unbedingt vormerken. Für mich ist die Tackenbendener Runde definitiv eine Wanderung, zu der ich gerne noch einmal zurückkehre.