Kleve erleben: Ein Vormittag zwischen Gartenkunst, Geschichte und Stadtleben
Die Schwanenstadt Kleve überrascht – leise und charmant zugleich. Zwischen Parkanlagen, lebendiger Innenstadt und viel Geschichte lassen sich hier ganz entspannt schöne Stunden verbringen. Genau das habe ich erlebt: vom Forstgarten über die Draisine bis hinein in die Stadt, vorbei an Wasser, Kunst und den alten Mauern der Schwanenburg. Unterschiedliche Stationen, die zusammen ein stimmiges Bild dieser besonderen Stadt ergeben.
Start im Grünen
Mein Tag beginnt entspannt am Restaurant „Altes Landhaus im Forstgarten“. Hier treffe ich wieder auf die Leiterin für Tourismus und Freizeit, Martina Gellert, die mich auf meinen Kleve-Touren schon öfters begleitet hat, und die Social-Media-Managerin Antonia Pieper.
Wir gehen los und schon nach wenigen Metern liegt diese besondere Ruhe in der Luft, die ich am Niederrhein so liebe. Mein erster Blick fällt auf die weiten Grünflächen – und sofort wird klar: Hier nehme ich mir bewusst Zeit. Kein Lärm, keine Hektik, nur Vogelgezwitscher und das sanfte Rascheln der Bäume.
Das neue Obstbaumarboretum
Unser erstes Ziel lässt auch nicht lange auf sich warten – das neue Obstbaumarboretum. Vor uns liegt eine einzigartige Vielfalt regionaler und historischer Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen – ein kleines Stück gelebte Kulturgeschichte. Mit dabei sind Sorten, von denen ich noch nie gehört habe, wie der Apfel „Rheinische Schafsnase“, die Birne „Madame Verte“ oder die Kirsche „Dönissens Gelbe Knorpelkische“. Auch die „Rote Sternrenette“ ist vertreten: eine Apfelsorte, die ich durch meine Besuche bei der Obstkelterei van Nahmen in Hamminkeln kennen und schätzen gelernt habe.
„Es sind insgesamt über 80 Bäume und das Pflücken der Äpfel & Co. ist für den eigenen Verzehr ausdrücklich erwünscht“, verrät mir Martina. „Es gibt dazu auch einen Flyer, den es u.a. an der Tourist Information gibt. Dieser informiert über die Sorten und die entsprechenden Reifezeiten und Pflückreifen.“
Es ist faszinierend zu sehen, wie viel Wert hier auf Erhalt und Nachhaltigkeit gelegt wird, es ist fast wie ein Spaziergang durch ein lebendiges Archiv zwischen altem und neuem Baumbestand.
Gleichzeitig leistet Kleve mit diesem Obstbaumarboretum einen Beitrag zum Klimaschutz, der Artenvielfalt und der Wissenschaft. „Die Hochschule Rhein Waal erforscht hier auch die seltenen, alten Obstsorten, auch mit Blick auf den Klimawandel“, ergänzt Martina.
Während wir weiter durch das Arboretum gehen, sehe ich überall Findlinge, auf denen man Platz nehmen und sich ausruhen kann. Es ist also auch ein Erholungs- und Begegnungsraum entstanden, der im letzten Jahr auch schon mal für ein Apfelfest genutzt wurde.
Fahrt mit der Draisine
Ganz in der Nähe stoßen wir als nächstes auf ein besonderes Freizeitgefährt und den dazugehörigen Geschäftsführer von Grenzland-Draisine – Gerd Scholten. Platziert hat er die Fahrraddraisine vor der perfekten Kulisse – der Sichtachse der historischen Gartenanlage bis zum Amphitheater.
Auch wenn ich heute nur ein kleines Stück mitfahre, allein der Anblick der Draisine macht Lust darauf, die Region einmal auf diese besondere Art zu erkunden.
„Erradeln können unsere Gäste den Niederrhein und auch die Niederlande auf stillgelegten Bahnstrecken“, erklärt mir Gerd. „Wir haben dafür die Fahrraddraisine für zwei bis vier Personen und die Clubdraisine für neun bis 14 Personen.“
Spaß trifft Entschleunigung
Insgesamt stehen zwei Touren mit verschiedenen Anfängen/Enden zur Verfügung: Die grenzenlose Tour mit einer Länge von 5,5 Kilometern führt beispielsweise 45 Minuten von Kranenburg nach Groesbeek und zurück. Die ausgiebige Tour misst zehn Kilometer, dauert 75 Minuten und hier geht es vom Bahnhof Kranenburg zum Spoy-Kanal in Kleve und zurück.
Ich stelle mir vor, wie man gemeinsam in die Pedale tritt, die Umgebung an sich vorbeiziehen lässt und dabei die Grenze zu den Niederlanden fast unbemerkt überquert. Ihr genießt also nicht nur die niederrheinische Landschaft und habt jede Menge Spaß, sondern entschleunigt auch noch.
Jetzt wird es aber Zeit für eine kurze Testfahrt und Antonia und Gerd treten für mich in die Pedale. Ich nehme in der Mitte auf einer Bank Platz. Schon nach wenigen Metern muss ein Fahrer absteigen, die Schranke manuell hochheben und den Knopf drücken, damit die Ampelanlage uns freie Fahrt gibt – ein insgesamt abwechslungsreicher Freizeitspaß, den ich unbedingt nochmal wiederholen muss.
Durch den Forstgarten
Nach unserer kleinen Tour gehen wir noch ein Stück durch den Forstgarten. „Schon 1782 ließ damals der klevische Kammerpräsident Julius Ernst von Buggenhagen den nahe gelegenen Forstgarten anlegen und pflanzte nach Art eines Botanischen Gartens 150 verschiedene fremdländische Gehölze“, erzählt mir Martina. „Deswegen haben wir hier einen sehr alten Bestand und die Bäume sind zum Teil über 100 Jahre alt. Du findest hier etwa Mammutbäume oder einen Gingko- und Tulpenbaum.“
Kurz zur Einordnung: Der Forstgarten gehört zu den historischen Gartenanlagen Kleves und ist Teil der berühmten barocken Parklandschaft, die einst unter Johann Moritz von Nassau-Siegen entstand. Diese Gartenkunst ist bis heute prägend für das Stadtbild.
„Hier gibt es sogar eine Konzertmuschel, wo der Klevische Klaviersommer bei freiem Eintritt stattfinden. Auch das Lichterfest mit Barockfeuerwerk, das gerade nochmal modernisiert wird, ist ein echtes Highlight“, ergänzt Antonia.
Je länger ich unterwegs bin, desto mehr merke ich, wie gut dieser Start in den Tag tut. Es ist diese Mischung aus Natur, Geschichte und Ruhe, die den Forstgarten so besonders macht. Ein Ort, der nicht laut sein muss, um Eindruck zu hinterlassen.
Von der Natur in die Stadt
Nach einer kurzen Fahrt in die Innenstadt parken wir in der Nähe des Rathauses. Schon auf den ersten Metern spürt man den Wechsel: vom ruhigen Grün hinein in das lebendige Treiben der Stadt. Und trotzdem bleibt dieses entspannte Grundgefühl erhalten – typisch Niederrhein eben.
Wir halten an der Touristinformation und stehen direkt vor einem schönen Stadtmodell aus Bronze – die detailgetreue Nachbildung der erweiterten Innenstadt, wie mir Martina erklärt. Anhand des Modells zeigt sie mir unseren Weg durch die Stadt mit der Schwanenburg als Ziel.
Vom Koekkoek-Haus …
Dann geht es weiter. Gleich um die Ecke befindet sich das B. C. Koekkoek-Haus, das schon von außen herrschaftlich und elegant wirkt. „Genau dieser Eindruck setzt sich auch von innen fort“, lacht Martina. „Dieses Palais ließ der niederländische romantische Landschaftsmaler Barend Cornelis Koekkoek als Wohn- und Atelierhaus errichten und seine Werke, die von seiner Familie, seinen Schülern und Zeitgenossen sind hier natürlich untergebracht. Auch Wechselausstellung finden hier statt.“ Ich kann mir gut vorstellen, wie hier einst Kunst entstand, inspiriert von genau der Landschaft, durch die wir gerade noch spaziert sind.
Dann fällt mir an der Kasse ein Plakat auf: 1 Ticket, 4 Häuser. Für 19 Euro könnt ihr ein Jahr nicht nur das Koekkoek-Haus so oft besuchen, wie ihr mögt, sondern auch das Museum Schloss Moyland, das Museum Kurhaus Kleve und das Museum Goch. Das muss ich mir definitiv merken!
… durch die Fußgängerzone
Von diesem Punkt aus gehen wir weiter durch die belebte Fußgängerzone. Was mir auffällt, es gibt sie noch – die inhabergeführten Geschäfte, darunter ein Haushaltswaren-, ein Hut- und ein Wollgeschäft.
Ich lasse mich treiben, werfe hier und da einen Blick in die Schaufenster und beobachte die Menschen in den Cafés, die sich im Außenbereich in der Sonne tummeln. Im Stadt-Café Wanders kann ich auch durchs Schaufenster in die Theke schauen und bin begeistert von der Auswahl an Kuchen und Torten, vielleicht nehme ich auf dem Rückweg was mit.
Was mir jetzt schon gut an Kleve gefällt: Anders als in großen Städten wirkt hier nichts hektisch oder überlaufen. Stattdessen fühlt sich alles angenehm unaufgeregt an.
Der Lohringbrunnen
Der Lohringbrunnen
Unser nächstes Ziel ist nicht mehr weit – der Lohengrinbrunnen auf dem früheren Fischmarkt. „Hinter der gezeigten Szene verbirgt sich die bekannte Sage vom Schwanenritter Lohengrin, die eng mit Kleve verbunden ist“, beginnt Martina. „Die verwaiste Erbtochter Beatrix wird von einem geheimnisvollen Ritter gerettet, der in einem von einem Schwan gezogenen Boot erscheint. Er besiegt ihre Feinde, heiratet sie, wird Herr von Kleve und schenkt ihr Kinder – unter der Bedingung, dass sie niemals nach seinem Namen fragen durfte. Als Beatrix dieses Verbot bricht, offenbart dieser, er sei Elias aus dem irdischen Paradies und verschwindet für immer. Beatrix stirbt noch im gleichen Jahr. Die Geschichte inspirierte auch Richard Wagners Oper Lohengrin.“
Hoch hinaus: Die Schwanenburg
Wenige Schritte weiter erhebt sich schließlich die Schwanenburg. Hoch über der Stadt thront sie auf einem Hügel und ist schon von weitem sichtbar. Ihr markanter Turm prägt die Skyline Kleves – ein echtes Wahrzeichen.
Auch die Schwanenburg blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Mittelalter war sie Sitz der Herzöge von Kleve. Heute beherbergt sie unter anderem das Amts- und Landgericht und eine öffentlich zugängliche Kantine, doch ihre historische Bedeutung ist überall spürbar.
„Ein besonderes Highlight verbirgt sich hinter dem gegenüberliegenden Spiegelturm“, lacht Martina. „Dort befindet sich eine doppelsitzige Toilettenanlage aus dem 12. Jahrhundert – mit Wasserspülung! Damals saß man nebeneinander und machte im wahrsten Sinne des Wortes Geschäfte.“
Turmbesteigung möglich
Wer Kleve übrigens von ganz oben sehen möchte, der hat sogar die Möglichkeit dazu. Der Klevischer Verein für Kultur und Geschichte Freunde der Schwanenburg e.V. ermöglicht sogar samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr eine Turmbesteigung. Nach 183 Stufen könnt ihr einen einzigartigen Ausblick auf den Niederrhein bis nach Nimwegen und zur Rheinbrücke genießen. Zusätzlich gibt es einige geologische Exponate, einen Mammutschädel und ein Modell der Burg zu bewundern.
Wir betreten den Innenhof und stehen vor einem Brunnen, auf dessen Spitze ein Schwan thront. Das Schwanenmotiv begegnet uns in der ganzen Stadt immer wieder – und das völlig zu Recht.
Umso passender, dass am 26. Juni 2026 erneut die Schwanenstadtsause stattfindet. Ab 16 Uhr verwandelt sich der Pastor-Leinung-Platz in eine lebendige Feierzone mit Musik, Streetfood, kühlen Drinks und bester Stimmung. Der Eintritt ist selbstverständlich frei.
Kurzer Blick zur Stiftskirche
Bevor wir die Schwanenburg verlassen und uns auf den Weg über Treppen runter zum Kermisdahl machen, werfen wir noch einen Blick auf die Stifts- und Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt, die sich ganz in der Nähe befindet. Einfach von der Burg aus rechts halten, in die Goldstraße gehen und direkt auf die imposante Kirche zulaufen. Sie wurde im 12. Jahrhundert gegründet und war einst Teil eines Damenstifts – nicht nur Ort religiöser Andacht, sondern auch Zentrum für Bildung und Versorgung adeliger Frauen.
Blütenzauber am Kermisdahl
Als wir nach dem kurzen Abstecher unten am Kermisdahl ankommen, strahlt die Kirschblüte noch in voller Pracht. Erst vor kurzem wurde hier das Kirschblütenfest gefeiert, das sich jährlich wiederholt. Auch die Landesgartenschau 2029 findet am Kermisdahl und an vielen weiteren Orten statt.
Wir treten den Rückweg Richtung Stadt an, passieren einen modernen Spielplatz und die Stadthalle. „Du kannst dir schon mal den 21. August 2026, vormerken, dann ist das ab 16 Uhr die Kulisse für das After Work Weinfest“, lächelt Martina mich an. Feierabend, Freunde, Musik und ein gutes Glas Wein hört sich definitiv nach einem guten Plan an.
Außengastronomie zum Verweilen
Auch das nahe gelegene Spoyufer mit seinen großzügigen Außengastronomien – etwa der Sommerwirtschaft, einem Mexikaner oder einem Inder – lädt zum entspannten Verweilen ein. Das elaya Hotel mit seiner NiederrheinRad-Verleihstation fügt sich mit einem gemütlichen Außenbereich harmonisch ein – da kann der Sommer doch kommen.
Noch ein kleiner Tipp: Direkt gegenüber dem elaya Hotel ist das Klever Schüsterken. „Die Figur erinnert an die lange Schuhtradition in Kleve. Seit 1878 gab es hier über 50 Schuhfabriken und besonders bekannt wurde Kleve durch die Marke „elefanten“, die die ersten Kinderschuhe damals entwickelten“, erzählt mir Martina. „Das Schüsterken spukt auch Wasser, weil die Schuster früher Nägel im Mund hatten und die Reste dann ausgespukt haben.“
Mein Fazit
Unser letzter Weg führt uns wieder zum Rathaus und unsere Kleve-Tour endet. Aber dieser Vormittag in Kleve hat mir einmal mehr gezeigt, wie vielseitig die Schwanenstadt ist. Innerhalb kürzester Zeit wechselt man von ruhigen Parklandschaften zu lebendiger Innenstadt und weiter zu historischen Wahrzeichen. In Kleve liegt alles angenehm nah beieinander, sodass man hier nicht nur einen entspannten Vormittag verbringen kann – etwa mit einem Abstecher in den Tiergarten Kleve lässt sich daraus sogar ein ganzer Tag abwechslungsreich gestalten.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Mischung aus Natur, Kultur und Geschichte – und die Art, wie alles miteinander verbunden ist. Der Forstgarten als ruhiger Einstieg, die Innenstadt als lebendiger Kontrast und die Schwanenburg als historischer Höhepunkt – besser hätte man diesen Vormittag kaum planen können.
Kleve ist kein Ort, den man einfach nur besucht. Es ist eine Stadt, die man erlebt – Schritt für Schritt, mit offenen Augen und einem Gespür für die kleinen Dinge. Und genau das macht sie so besonders.