Routentipp 114 - 3. Raderlebnistag Niederrhein 2026 am 5. Juli 2026
Mittel
Weit im Westen - das Rurgebiet. Erradeln Sie das ehemalige Bergbaugebiet zwischen Wassenberg, Hückelhoven und Erkelenz.
Details der Tour
Empfohlene Jahreszeit
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Besonderheiten der Tour
Aussichtsreich / Geologische Highlights / Botanische Highlights / Kulturelle Highlights / Faunistische Highlights
Wegebeschaffenheit
Autorentipp
Wegbeschreibung
Vom Infopunkt Erkelenz (Altes Rathaus, Markt, 41812 Erkelenz) radeln Sie über den Johannismarkt und die Gasthausstraße zum Knotenpunkt (KP) 81. Weiter zum KP 82 in Tenholt und dann geht es über die KP 83 (in Hetzerath), KP 94 (in Doverhahn) zum KP 98 an der Rur. Diese wird auf einer kleinen Brücke gequert und Sie erreichen in Hückelhoven-Hilfarth den Infopunkt Hückelhoven (Haus Sodekamp-Dohmen, Breite Straße 3, 41836 Hückelhoven). Der KP 99 an der Rurbrücke und der KP 91 in Hückelhoven sowie der KP 93 bei Kleingladbach sind die nächsten Stationen. Sie radeln dann hinunter ins Tal der Rur Richtung KP 22 und erreichen den KP 21 in Wassenberg am Roßtor. Weiter geht es in Richtung KP 29 bis zur Ecke Parkstraße / Pontorsonallee. Hier links und bergan erreichen Sie den Infopunkt Wassenberg (Naturpark-Tor, Pontorsonallee 16, 41849 Wassenberg).
Vom Naturpark-Tor fahren Sie bergab und dann geradeaus Richtung KP 29 in Myhl. Weiter zum KP 93 bei Kleingladbach. Dieser KP leitet Sie zum KP 84, dann zum KP 81 in Erkelenz. Dann über die Gasthausstraße und den Johannismarkt und Sie erreichen wieder den Infopunkt Erkelenz.
Sehenswertes auf der Strecke:
Nein! Es ist kein Schreibfehler – noch weiter im Westen als die Ruhr fließt ein kleiner Fluss namens Rur. Bis um die Jahrhundertwende schrieb man diese so wie ihre rechtsrheinische Schwester, doch dann kam ihr das „h“ abhanden – wahrscheinlich gab es zu viele Verwechslungen. Ein kleiner Unterschied im Namen, aber die Region bietet dennoch genauso interessante Geschichten und Erlebnisse wie der bekanntere Fluss mit dem etwas längeren Namen.
Die Rur fließt durch drei Länder. Sie entspringt im Naturpark Hohes Venn und erreicht nach ca. 10 Kilometern Deutschland. In vielen Windungen durch das hügelige Gebiet der Eifel läuft sie dann hinab in die Ebene der Dürener und Jülicher Börde, erreicht schließlich das Heinsberger Land und mündet in den Niederlanden nach rund 165 Kilometern in die Maas.
Ein widerspenstiger Fluss
Früher oft wild und unberechenbar, trat der Fluss bis in die 1960er Jahre zwischen Eifel und Roermond (im übrigen wird Roermond im Niederländischen nicht „Rörmond“ ausgesprochen, sondern „Rurmond“) über die Ufer und sorgte für große Schäden in den Ortschaften entlang seines Laufs. Auch widersetzte er sich Versuchen, ihn schiffbar zu machen. Zu Beginn der Neuzeit gab es zwar einige Zeit eine Verbindung mit kleinen Lastkähnen zwischen Roermond und Jülich/Düren, aber diese wurde recht schnell wieder eingestellt. Durch Begradigung und Eindeichung im letzten Jahrhundert in Deutschland nahm man der Rur die Unberechenbarkeit und schützte die Ortschaften.
Der heftige Widerstand des Flusses sich schiffbar machen zu lassen, unterscheidet ihn von der Ruhr. Kohle gab es in der hiesigen Region genug, nur keine Flüsse wie Rhein und Ruhr, auf denen das Eisen mit größeren Schiffen in das Heinsberger Land hätte gebracht werden können. So entstand hier keine Schwerindustrie.
Das Aachener Revier
Die Geschichte der Kohle in der Region in Belgisch- und Niederländisch Limburg sowie im Aachener Revier begann vor nicht allzu langer Zeit. Aus den riesigen Sumpfwäldern des Karbons (vor nicht einmal 300 Millionen Jahren) entstanden die mächtigen Kohleflöze, die hier bis Ende des letzten Jahrhunderts abgebaut wurden.
In den Flusstälern von Inde und Wurm lagen die Steinkohle führenden Erdschichten nahe der Oberfläche und wurden bereits im Mittelalter abgebaut. Es gibt sogar Hinweise, dass bereits die Kelten und Römer die Kohle nutzten.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Bahnlinien zwischen Aachen und Köln bzw. Mönchengladbach gebaut. Begünstigt durch diese neue Transportmöglichkeit endstanden in rascher Folge Zechen zwischen Aachen und Übach-Palenberg.
Die Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven
Erschließbare Kohlevorkommen nahe der Rur bei Hückelhoven hielt man damals für nicht möglich, bis 1885 der Dürener Bergwerksunternehmer Friedrich Honigmann mit Probebohrungen begann und ausgedehnte hochwertige Kohleflöze fand. Ab 1914 wurde anfangs mit nur 8 Bergleuten die erste Anthrazitkohle gefördert. Hilfreich für den Absatz der Kohle war die Eröffnung der Bahnlinie Baal – Roermond/Mönchengladbach via Dalheim-Rödgen. Nach Übernahme der Zeche durch die NEMOS (eine niederländische Bergbaugesellschaft) erhielt die Zeche den Namen Sophia-Jacoba nach den Vornamen der Frauen des NEMOS-Gründers und des Grubenvorstandsvorsitzenden – ein feiner Zug dieser Herren.
Die Belegschaft und die Fördermenge des Bergwerks wuchs immer mehr an und 1936 zählte die Zeche bereits ca. 4500 Beschäftigte. Das kleine Örtchen Hückelhoven wuchs immer weiter, nicht zuletzt auch durch den Bau von Arbeitersiedlungen im Ort und in den umgebenden Dörfern.
Bald war Sophia-Jacoba die Zeche der Region mit dem größten konzessionierten Abbaugebiet, welches sich rechts und links der Rur bis Erkelenz und nach Norden in den heutigen Kreis Viersen hinzog.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Bedarf an Kohle zunächst stark an und die Zeche baute in Ratheim eine neue Schachtanlage in Stahlbetonbauweise, die architektonisch herausragend war. Auch im Westen Wassenbergs wurde ein neuer Schacht abgeteuft und schließlich als letztes im Jahr 1983 eine Kohlewäsche am Hauptstandort Ratheim errichtet.
Geplant war auch eine untertägige Verbindung zwischen den Schächten der Sophia-Jacoba und der geplanten Kohlemine Beatrix jenseits der Grenze in den Niederlanden.
Der Niedergang
Während auf der Zeche in Hückelhoven nach dem Krieg kräftig investiert und ausgebaut wurde, zeichnete sich in Deutschland seit Beginn der 1960er Jahre bereits die sogenannte „Kohlekrise“ ab. Die Haldenbestände der Zechen stiegen, Importkohle und Erdöl wurden immer preiswerter und nur noch durch Subventionen waren viele Betriebe in der Lage, ihre Kohle zu vermarkten. Mehr und mehr Zechen im Aachener Revier und im Ruhrgebiet stellten ihren Betrieb ein. Auch die geplante und teilweise bereits erbaute Zeche Beatrix in den Niederlanden wurde geschlossen, ohne jemals Kohle gefördert zu haben.
1988 beschloss der Aufsichtsrat der Sophia-Jacoba eine deutliche Reduzierung der Kohleförderung und der Belegschaft. In den folgenden Jahren kämpften die Bergleute und ihre Angehörigen für den Erhalt der Zeche, doch am 30. Juni 1997 wurde der Betrieb endgültig eingestellt.
Zeugen der Vergangenheit
Seit nunmehr mehr als einem Vierteljahrhundert gibt es keine Steinkohleförderung in der Region mehr. Vieles an Erinnerungen und Sichtbarem ist aus dem Gedächtnis und dem Blickfeld verschwunden. Doch einiges aus der fast 100 Jahre währenden Bergbaugeschichte ist noch vorhanden:
Der Abraum aus dem Bergbau wurde zu großen Halden aufgeschüttet. Sowohl bei Altmyhl als auch bei Kleingladbach liegt jeweils einer dieser künstlichen Berge.
Unscheinbar, an der K31 zwischen Golkrath und Matzerath gelegen, steht ein Wetterschacht, der die Ausdehnung der Schächte bis weit in das Erkelenzer Stadtgebiet belegt.
In der Mitte zweier Kohleabbaugebiete liegt Erkelenz. Im Südwesten das Konzessionsgebiet der ehemaligen Zeche Sophia-Jacoba, von Osten nähern sich heute die Bagger des Braunkohletagebaus Garzweiler II.
Die heute stillgelegte Bahnlinie Baal – Roermond/Mönchengladbach via Dalheim-Rödgen diente der Zeche als Transportmittel für die geförderte Kohle und den Personenverkehr, der jedoch bereits in den 1980er Jahren eingestellt wurde. Der Güterverkehr auf der Strecke endete 2007. In letzter Zeit wird über eine teilweise Reaktivierung der Strecke und den Anschluss an die Bahnlinie Jülich – Linnich nachgedacht.
Die Abraumhalde bei Millich liegt an der L117 und überragt die Ortschaften zu ihren Füßen. Sie ist heute durch Wanderwege erschlossen und von der sogenannten „Himmelsleiter“ auf ihrer Spitze hat man einen weiten Blick über das umgebende Land.
Mit dem Besucherbergwerk Schacht 3 halten ehemalige Bergleute die Erinnerung an die Geschichte der Zeche lebendig. Bitte informieren Sie sich über die Öffnungszeiten auf der Website des Besucherbergwerkes. www.schacht-3.de
Auf der nordöstlichen Seite des Förderturms kann man noch heute am Friedrichplatz beispielhaft die Architektur der Arbeitersiedlungen der Zeche sehen.
In der Ludovicistraße 1 liegt das Mineralien- und Bergbaumuseum, in dem u.a. Relikte der Bergbautradition, aber auch Mineralien und Versteinerungen präsentiert werden, die teilweise in den Schächten der Sophia-Jacoba gefunden wurden. Bitte informieren Sie sich über die Öffnungszeiten auf der Website des Museums. www.museum-hueckelhoven.de
Die Ratheimer Halde thront weithin sichtbar über dem Rurtal und hat eine Höhe von ca. 140 m ü. NN.
Ab Mitte der 1950er Jahre wurde zwischen Ratheim und Wassenberg die neue Zentralschachtanlage in Stahlbetonweise mit zum Schluss zwei Türmen sowie Verwaltungsgebäuden errichtet und 1983 um eine Kohlewäsche ergänzt. Leider wurden die meisten Gebäude nach Stilllegung der Zeche gesprengt und heute ist nur noch die grünverkleidete, kreisförmige Kohlewäsche zu sehen. Die Fläche der ehemaligen Zentralschachtanlage ist nun ein fast vollständig bebautes Industriegebiet.
Ein großes Problem des Bergbaus allgemein ist, dass er „Löcher“ in der Erde hinterlässt. Diese brechen im Laufe der Zeit ein. Manchmal gehen diese Bergsenkungen bis an die Oberfläche und zerstören dabei Gebäude, Straßen oder sorgen für mehr oder weniger tiefe Einschnitte in der Landschaft. So auch in dieser Region, und für diese „Ewigkeitsschäden" haften immer noch die ehemaligen Besitzer der Bergwerke oder deren Rechtsnachfolger.
Ein weiteres Problem stellt das Wasser dar: Es wurde beim laufendem Betrieb abgepumpt, die umgebende Erde trocknet aus und fiel in sich zusammen. Nach Einstellung des Bergbaus und dem Ende des Abpumpens füllten sich die Erdschichten erneut mit Wasser und der Boden quoll auf; auch dies führte wieder zu Bergschäden.
Das Alte Rathaus auf dem Roßtorplatz in Wassenberg ist ein Beispiel für solche Bergschäden. Fast abbruchreif, wurde es aufwendig saniert, teilweise hydraulisch angehoben und auf der Seite mit den größten Schäden mit Stahlplatten verkleidet.
Doch 1975 kam es für die Zeche und einige in der Wassenberger Oberstadt lebenden Menschen zu noch schlimmeren Schäden. Ein Sandeinbruch (sehr feiner, fließender Sand) füllte fast 15 Kilometer der Abbauschächte und führte in der Wassenberger Feierabendsiedlung zu einem Absenkungstrichter von fast 400 Metern Durchmesser. Die dort lebenden Menschen mussten Hals über Kopf ihre Wohnungen verlassen. Glücklicherweise kam jedoch niemand Unter- und Übertage zu Schaden.
Ausrüstung
Des weiteren sind Sie mit dem Wetter angepasster Kleidung, genügend Wasser und ein wenig Verpflegung bestens ausgerüstet für die Tour.
Sicherheitshinweise
Weitere Informationen
Heinsberger Land
Tel.: +49 2452 131415 Fax: 131419
E-Mail: info@heinsberger-land.de
Internet: www.heinsberger-land.de