Routentipp 113 3. Raderlebnistag Niederrhein 2026 am 5. Juli 2026
Mittel
Geschichten vom Essen & Trinken an Wald und Fluss
Details der Tour
Empfohlene Jahreszeit
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Besonderheiten der Tour
Aussichtsreich / Geologische Highlights / Botanische Highlights / Kulturelle Highlights / Faunistische Highlights
Autorentipp
Wegbeschreibung
Vom Startort radeln Sie bis Myhl zum Knotenpunkt (KP) 29. Weiter geht es in Richtung KP 74 am Ortsrand von Wildenrath. Am Ortsende erreichen Sie den KP 75, der Sie zum KP 76 leitet. Ab dem Kreisverkehr fahren Sie bitte der Straße „Hessenfeld“ hinauf, den Beschilderungen der West-Bike-Route zur Dalheimer Mühle folgend und dann zum KP 95 in den Niederlanden. Am Rande des niederländischen Nationalparks „De Meinweg“ entlang radelnd, erreichen Sie den KP 55, KP 70 und den KP 56 in Rothenbach.
Der KP 57 führt Sie zum KP 71 und Sie folgen der Beschilderung nach Effeld - vorbei am Infopunkt Dorfzentrum - in Deutschland zum KP 25. Weiter geht es über den KP 15 an der Rurbrücke bei Steinkirchen und die KP 14 und 35 Richtung KP 33 zum Infopunkt in Waldfeucht-Haaren. In Obspringen liegt der KP 50 und auf dem Weg zum KP 39 radeln Sie an der Haarener Windmühle vorbei. Der KP 13 liegt in Haaren und der KP 23 an der Rur. Von dort aus geht es in Richtung KP 22. An der B221 wenden Sie sich nach links Richtung Wassenberg zum KP 21. Richtung KP 29 radelnd erreichen Sie die Ecke Parkstraße / Pontorsonallee, biegen nach links und erreichen das Naturpark-Tor.
Sehenswertes auf der Strecke:
Vom Natrupark-Tor in Wassenberg radeln Sie nach Myhl zum Knotenpunkt (KP) 29.
Am Weg gelegen, diente die heute flügellose Wingertsmühle seit dem 16. Jahrhundert als Öl-Mühle. Anfang des 19. Jahrhunderts brannte sie jedoch ab. In Ölmühlen wurden Pflanzenöle aus Ölsaaten und –früchten gepresst. Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland rund 4000 Ölmühlen. Eine der ölhaltigsten Pflanzen ist der „Gemeine Lein“ (Linum usitatissimum), auch Flachs genannt. Aus der alten Kulturpflanze wird nicht nur Leinöl gepresst, ihre Fasern dienen auch der Herstellung von Leinen. Im Laufe der Zeit wurde die Mühle immer wieder renoviert und im letzten Jahrhundert zeitweise als Unterkunft für Jugendlager genutzt.
In Myhl liegt ein Einkaufszentrum der Stadt Wassenberg. Noch vor nicht einmal 50 Jahren waren große Supermärkte und Einkaufsparks am Stadtrand nicht Normalität, sondern Ausnahme. Der damals übliche Besuch eines Tante-Emma-Ladens auf dem Dorf diente nicht nur dem Einkaufen, sondern war ein gesellschaftliches Ereignis: Dort kauften die Kunden nicht nur Käse, Kaffee und Konserven, sie hielten auch ein Schwätzchen und tauschten Neuigkeiten mit dem Ladenbesitzer und den Nachbarn aus. Einfache Einkaufszentren außerhalb der Ortsmitte entstanden in den USA bereits in den 1930er Jahren. Sie lagen verstreut entlang der Ausfallstraßen. Doch bis in die 1960er Jahre hinein war dies in Deutschland noch undenkbar. Hier war der Lebensmitteleinkauf eine umständliche und langwierige Angewohnheit. Für verschiedene Produkte mussten die Kunden in unterschiedliche Geschäfte: Fleisch und Wurst gab es beim Metzger, Brot und Kuchen beim Bäcker, andere Lebensmittel und Produkte für den täglichen Bedarf im Tante-Emma-Laden. Die gewünschten Produkte wurden für jeden Kunden einzeln geholt, von Hand abgewogen, verpackt und abgerechnet. An den Theken bildeten sich oft lange Schlangen, der Einkauf dauerte wesentlich länger als heute.
Bereits 1938 eröffnete in Osnabrück der erste Selbstbedienungsladen in Deutschland, ein Vorläufer des Supermarkts mit einer Ladenfläche von rund 250 Quadratmetern. Anfang der 1950er gab es in Deutschland gerade einmal 39 Geschäfte mit Selbstbedienung. In den 1970er Jahren entstanden die ersten Supermärkte auf der grünen Wiese. Die Verkaufsflächen und das Angebot wurden vielfältiger. Dem geänderten Verhalten der Menschen entsprechend gab es große Parkplätze. Die Tante-Emma-Läden in den kleinen Orten verschwanden und damit auch die Möglichkeit ein wenig mit den Nachbarn zu tratschen – von manchen wird dies als ein schwerer Verlust empfunden.
An der Strecke in Richtung KP 74 befindet sich der Rheinische Obstsortengarten. Die Vielfalt regionaler Obstsorten zu erhalten, wiederzubeleben und zu pflegen - diese Aufgabe soll hier erfüllt werden. Er wurde 2012 auf Wassenberger Gebiet an der Stadtgrenze zu Wegberg eröffnet. 2009 hatte die Stadt Wassenberg das rund vier Hektar große frühere Pfirsichplantagengelände der im nahen Haus Wildenrath beheimateten (ehemaligen Nabu-)Naturschutzstation zur Pflanzung und Entwicklung des Sortengartens überlassen.
Es ist kaum bekannt, dass es einmal am Niederrhein hunderte von Obstsorten gab, die oft nur auf ein kleines Anbaugebiet beschränkt waren: Eine vergessene Vielfalt von Aromen! Dieser Kultur- und Genussschatz des Niederrheins ist im Zeitalter der Massenproduktion von Lebensmitteln bedroht, wird hier aber erhalten.
Förderverein Obstsortenvielfalt e.V., Auf der Hees 1, 41849 Wassenberg, www.obstsortengarten.de
Vom KP 74 am Ortsrand von Wildenrath können Sie in ein kleines Tal schauen. Seit dem 12. Jahrhundert liegt dort Haus Wildenrath. Die heutige Hofanlage stammt aus der Zeit um 1700 und wurde bis in die 1960er Jahre als Bauernhof genutzt. 1970 richtete der Naturpark Schwalm-Nette hier das erste Umweltbildungszentrum Deutschlands ein. 2003 pachtete der Naturschutzbund Deutschland (NABU) das Haus und betrieb ökologische Forschungen und bot naturpädagogische Programme an. Auf dem rund 25 Hektar großen Gebiet mit vielfältigen Bodenverhältnissen verlaufen fünf Lehrpfade. Die heutige Naturschutzstation und Biologische Station für den Kreis Heinsberg und die Stadt Mönchengladbach betreut den Hof und das Gelände. Dazu gehört neben der Landschaftspflege auch die Haltung vom Aussterben bedrohter Haus- und Nutztierrassen.
Naturschutzstation Haus Wildenrath, Naturparkweg 2, 41844 Wegberg, www.naturschutzstationwildenrath.de
Am Ortsende erreichen Sie den KP 75, der Sie zum KP 76 in Dalheim-Rödgen leitet.
Auf dem Weg dorthin sehen Sie rechter Hand vom Ortseingangsschild den Wasserturm Arsbeck. Wasser (H2O) ist eine chemische Verbindung aus den Elementen Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H). Wasser ist als Flüssigkeit durchsichtig, weitgehend farb-, geruch- und geschmacklos. Wasser ist Grundlage des Lebens auf der Erde und damit das wichtigste „Lebensmittel“ überhaupt – obwohl, ist dies allen immer so klar?
In früheren Jahrhunderten war die Wasserversorgung nur aus Brunnen, Zisternen und Gewässern möglich. Oft war das Wasser aus diesen Quellen verunreinigt und verursachte Krankheiten. Auch deswegen tranken viele Menschen bis in die Neuzeit hinein Wasser selten pur, sondern in Form von Leichtbier oder mit Wein versetzt. Durch den Alkohol wurden die meisten Keime im Wasser abgetötet. Erst 1848 entstand in Hamburg die erste moderne Wasserversorgung, weitere Städte folgten. Heute ist eine sichere Wasserversorgung eine nicht hinterfragte Selbstverständlichkeit geworden. Symbol dafür waren viele Jahre lang die Wassertürme. Der unter Denkmalschutz stehende Arsbecker Wasserturm auf der Heuchter Straße 9 wurde 1913 errichtet und war bis Anfang der 1980er Jahre in Betrieb. Er ist 27 Meter hoch und sein Behälter fasste 150 m³ Wasser. Heute dient er nur noch als Träger für Mobiltelefonantennen.
Ab dem Kreisverkehr im Ort fahren Sie bitte der Straße „Hessenfeld“ hinauf, den Beschilderungen der West-Bike-Route zur Dalheimer Mühle folgend.
Der Wald gehört zum Gebiet des Meinwegs. Die Bewohner von 14 umliegenden Dörfern nutzten das Gebiet gemeinschaftlich zur Brennholzgewinnung oder als Viehweide. An diese Nutzung erinnert der Name Meinweg: In schriftlichen Dokumenten taucht das Wort „Meinwece” erstmals etwa 1350 auf und das Wort bedeutet im Keltischen „Gemeyne”, „gemeinschaftlich” oder „zusammen”. Der unfruchtbare Sandboden verhinderte lange Zeit eine großflächige Kultivierung und diente als Weide für Rinder, Schafe oder Schweine. Langsam entstand eine Heidelandschaft, da die Tiere Sträucher und kleine Bäume fraßen. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist bekannt, dass man im Meinweg Jagd auf Rot – und Schwarzwild machte. Auf sumpfigen Böden wuchs der Gagelstrauch, der zum Brauen von Bier genutzt wurde. Auch findet man an vielen Stellen des Meinweges Speisepilze, Blaubeeren oder Bucheckern.
Mit der Einführung von Kunstdünger Ende des 19. Jahrhunderts reduzierte man die Nutzung der Flächen als Viehweide und wandelte sie in Acker um. Um das Jahr 1930 veränderte sich der Meinweg weiter: Große Bereiche der Heide wurden mit Nadelbäumen bepflanzt. Diese wurden als Stützholz im Steinkohlebergbau eingesetzt.
Heute hat man erkannt, wie wertvoll die mit Heide bewachsene, von kleinen Seen, Baumgruppen und Teichen durchzogene Landschaft ist und welch unersetzlicher Rückzugsort für eine Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten sie darstellt. Auf niederländischer Seite wurde das Gebiet 1990 zum Nationalpark (De Meinweg) erklärt und auf der deutschen Seite unter Naturschutz gestellt.
Auf dem Weg zur Mühle passieren Sie den Dalheimer Klosterhof. Von Ophoven in das sumpfige Gelände des Helpensteiner Bachtals verlegten um 1258 adelige Zisterzienserinnen ihr Kloster, nannten es ‚Conventus Vallis Coelis‘ (Himmelstal) und machten ringsum einige Waldparzellen urbar. Das Kloster wurde auch Dalheim („Heim im Tal“) genannt und besaß in der näheren und weiteren Umgebung umfangreichen Besitz, unter anderem die nahe gelegene Dalheimer Mühle.
1802 wurde von der französischen Zivilverwaltung des Rurdepartements (der linke Niederrhein gehörte zu dieser Zeit zur französischen Republik/dem französischen Kaiserreich) die Auflösung vieler klösterlicher Einrichtungen angeordnet. Die teils reiche Ausstattung des Klosters gelangte in Kirchen- und Privatbesitz der näheren Umgebung. Die Hauptgebäude des Klosters wurden abgebrochen und nur die Torhausscheune und das Gesindehaus blieben erhalten.
Klöster waren im frühen Mittelalter unter anderem Zentren des wirtschaftlichen Lebens. Das umgebende Land wurde urbar gemacht und die überschüssigen Lebensmittel in die nähere und weitere Umgebung verkauft. Durch den Austausch unter den Klöstern verbreiteten sich auch neue Anbaumethoden, Saatgut und Früchte in ganz Europa.
Wenig später erreichen Sie die Dalheimer Mühle. Sie ist eine Wassermühle mit einem unterschlächtigen Wasserrad. Ihre dokumentierte Geschichte beginnt mit einer Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1231. Heinrich Herr zu Helpenstein verkaufte den Zisterzienserinnen in Ophoven die Mühle mit Weiher und einiges an Land. Das heutige Mühlengebäude wurde nach einem Brand im Jahre 1775 wieder aufgebaut. Sie besaß einen Mahlgang und eine Ölpresse. 1802 gelangte die Mühle in Privatbesitz. Bereits 1880 entstand zusätzlich eine Gaststätte, die auch nach Ende des Mahlbetriebes 1958 weitergeführt wurde.
Getreide und Hülsenfrüchte waren bis zu Beginn der Neuzeit das Hauptnahrungsmittel der mitteleuropäischen Bevölkerung – Kartoffeln kamen erst viel später aus Amerika und Reis war in jener Zeit eine Rarität. Die Grundherren machten sich dies zunutze und verpflichteten die Bevölkerung der Region oftmals dazu, ihr Getreide nur in den Mühlen des jeweiligen Grundherren – gegen entsprechendes Entgelt – mahlen zu lassen. Zuwiderhandlungen wurden mit teils drastischen Strafen belegt.
Seit 200 Jahren liegt die Mühle direkt an der deutsch-niederländischen Grenze. Erzählt wird, dass die Grenzlinie früher genau durch die Küche der Mühle verlief und dort exakt den Küchentisch in einen deutschen und niederländischen Bereich teilte – dies soll den Schmuggel von Kaffee und anderen Dingen erheblich erleichtert haben!
Dalheimer Mühle, Mühlenstraße 15, 41844 Wegberg, www.dalheimer-muehle.de
Von hier aus geht es zum KP 95 in den Niederlanden. Am Rande des niederländischen Nationalparks „De Meinweg“ entlang radelnd, erreichen Sie die KP 55, 70 und den KP 56 in Rothenbach.
Kaffee, Fisch, Obst und Gemüse, Blumen, Textilien …, dies und noch vieles mehr ist heute in Rothenbach auf der niederländischen Seite zu kaufen. Doch das war nicht immer so. Hier stand noch bis vor einigen Jahrzehnten eine Zollstation, die den Warenverkehr zwischen den Niederlanden und Deutschland kontrollierte. Dies ging manchmal so weit, dass Personen und PKW auf äußerst gründliche Weise nach Schmuggelware durchsucht wurden.
Erst seit Anfang der 1970er Jahre wurden Schritte zum gemeinsamen Markt in Europa in die Wege geleitet. Zum gemeinsamen Binnenmarkt, wie er Anfang 1993 in der EU schließlich verwirklicht wurde, gehören neben anderen Dingen auch der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. Und dieser machte die Entwicklung Rothenbachs zum „Einkaufsparadies“ erst möglich.
Ein findiger niederländischer Händler in Rothenbach verkaufte bereits vor dem II. Weltkrieg in seinem Café Lebensmittel an die deutsche Kundschaft. Nach den Kriegsjahren stieg der Umsatz rasant an. In einem dem Café gegenüberliegenden Gebäude entstand ein Lebensmittelgeschäft und zwei Generationen später steht hier ein viel besuchtes Shopping Center.
Tipp: Viele Besucher legen hier einen kurzen Stopp ein und verzehren frisch zubereiteten Backfisch – aber: Am Wochenende Zeit nehmen, manchmal muss man eine Weile anstehen!
Hinter dem KP 57 liegt die Gitstapper Mühle auf der linken Seite der Strecke.
Die Gitstapper Mühle ist eine Wassermühle mit einem mittelschlächtigen Wasserrad und steht auf der niederländischen Seite der Grenze am Rothenbach. 1377 erstmals belegt, wurde sie 1750 nach mehreren Zerstörungen aus Stein neu errichtet und diente als Getreide- sowie Ölmühle. 1987 kaufte die Gemeinde das Gebäude, stellte es unter Denkmalschutz und restaurierte die Mühle.
Neben der Mühle entstand aus alten Wirtschaftsgebäuden eine Gastwirtschaft, von der heute auch Kutschfahrten durch die nähere Umgebung gebucht werden können. Ein großer Spielplatz bietet Kindern spannende Unterhaltung.
De Gitstap, Gitstappermolenweg 1, NL-6063 NT Vlodrop, https://gitstap.nl/de/.
Weiter geht es zum KP 71 und dann der Beschilderung Richtung Deutschland folgend zum KP 25 in Effeld.
Kurz nach dem Grenzübertritt befindet sich auf der linken Seite des Weges der Effelder Waldsee mit dem Amici Beach und dem Boho Beachclub. Schauen Sie doch bei einer Tasse Kaffee den Wasserskiläufern mit ihren gekonnten oder misslungenen Aktivitäten bei diesem Sport zu. Hier gibt es auch einen schönen Badestrand sowie einen erstklassigen Campingplatz. Amici Beach, Bruchstraße 30, 41849 Wassenberg, www.amicibeach.com.
Auf dem Weg zum KP 25 auf dem Martinusplatz liegt der Infopunkt Dorfzentrum Mittendrin auf der Kreuzstraße 26.
Der Dorfladen wurde von einem Verein ins Leben gerufen, nachdem Bewohner des Dorfes feststellten, dass das öffentliche Leben durch den Wegfall / die Aufgabe aller Geschäfte im Dorf immer mehr zurückging. Innerhalb von zwei Jahren wurde dann eine Genossenschaft gegründet, Räumlichkeiten angemietet und umgebaut - hauptsächlich durch ehrenamtliche Arbeit. Auch die Finanzierung wurde durch Dörfler durch den Kauf von Genossenschaftsanteilen und Gewinnung von Sponsoren gesichert (www.dorfzentrum-effeld.de).
Das Dorf ist bekannt für den Spargelanbau auf den umliegenden Feldern. Zwischen 1950 und 1960 mussten viele der kleineren Bauernhöfe der Region ihren Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einstellen. Die Landwirtschaftskammer suchte damals nach Produkten, die es den Bauern ermöglichen sollten, weiter zu arbeiten. Den Effeldern mit ihrem armen, sandigen Boden schlugen die Experten vor, es doch einmal mit Spargel zu versuchen - nachdem der Anbauversuch von Tabak wenig erfolgreich war. Zunächst misstrauisch beäugt von der Bevölkerung, begannen wenige mit dem Anbau dieses Edelgemüses. Es funktionierte und immer mehr ehemalige Bauern betrieben den Spargelanbau bald als Nebenerwerb. Das Leben im Ort wurde durch den neuen Erwerbszweig verändert. Kannte vor 50 Jahren noch kaum jemand das kleine Dorf, das sich hinter Wald abseits der großen Straßen versteckt, so hat es sich nun durch den Spargel, das Effelder Spargelfest und den Effelder Waldsee zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. In der Spargelsaison von April bis Mitte Juni können Sie z. B. in folgenden Restaurants im Ort den frisch zubereiteten Spargel genießen (bitte beachten Sie die jeweiligen Öffnungszeiten):
Restaurant Ohlenforst, Kreuzstraße 4, 41849 Wassenberg, www.restaurant-ohlenforst.de
Effelder Bürgerstube, Mückenstraße 19, 41849 Wassenberg, www.effelder-buergerstube.de
In Richtung KP 15 radelnd erreichen Sie bald die Rur. Der Fluss (niederländisch: Roer) ist ein 164,5 km langer rechter Nebenfluss der Maas, der durch Belgien, Deutschland und die Niederlande fließt. Sie entspringt im Hohen Venn und mündet bei Roermond in die Maas. Die Brücke über die Rur bei Vlodrop/NL hatte nach den beiden Weltkriegen eine wichtige Bedeutung für den Schmuggel zwischen Vlodrop und dem deutschen Ort Effeld. Hier ging es nicht hauptsächlich um den Schmuggel von Zigaretten oder Kaffee, sondern Getreide, Viehfutter und Lebensmittel wurden auf Pfaden entlang des Flusses nach Deutschland getragen, um die Hungerzeit nach den Kriegen zu überstehen. Ein Schmuggler hielt immer Ausschau nach Zöllnern und wurde man von diesen bemerkt, warf man die Säcke mit den Schmuggelwaren einfach in den Fluss. Die Strömung trug die Säcke zurück zur Brücke in Vlodrop, wo diese dann von dort in weiser Voraussicht positionierten Helfern mit langen Stangen wieder herausgefischt wurden – und nach Trocknung unternahm man einen erneuten Schmuggelversuch.
Aus dieser Zeit stammt auch das Motto der Effelder Karnevalsgesellschaft: „Effeld – de Bahn es kloar!“. Dies rief man beim Schmuggel entlang der Rur, wenn keine Zöllner zu sehen waren.
Der KP 14 liegt in Karken. Auf dem Weg zum KP 35 kommen Sie an der „St. Jans KLus" (Kluserweg 27) am Ortseingang von Haaren vorbei. Seit 1328 wurde die Kapelle nachweislich als Wallfahrtsort genutzt, aber sie entstand vermutlich bereits im 8. Jahrhundert. Bis zur Fertigstellung einer neuen Kirche im Kern von Haaren im Jahr 1824 diente sie lange Jahre als Pfarrkirche der Gemeinde. Heute steht dort ein vierflügeliger Backsteinhof mit einer kleinen Wegekapelle an einer Ecke des Hofes. Im Gebäude befinde sich ein Restaurant&Bistro und die ehemalige Kapelle kann für Veranstaltungen gemietet werden.
In Haaren liegt der Infopunkt nahe des Schwimmbades (Alter Klauser Kirchweg 18, 52525 Waldfeucht). Im Ort (etwas abseits des Weges auf der Brauereistraße) befinden sich die Gebäude der ehemaligen „Westmark“-Brauerei". Das Sudhaus mit seinen erhaltenen Kupferkesseln ist von der Straße aus zu sehen. Hier wurde von 1934 bis 1977 Bier gebraut und in der Region vertrieben. Heute dienen die Gebäude zur Produktion von Speiseeis. Eine weitere „Biertradition“ in Haaren ist das jährlich am 2. Oktoberwochenende stattfindende Haarener Oktoberfest. Es ist das größte Oktoberfest im Rheinland und fand 2024 bereits zum 60. Mal statt.
Über den KP 33 und den KP 50 in Obspringen radeln Sie zum KP 39. Auf dem Weg dorthin liegt die Haarener Windmühle. Sie ist eine Turmwindmühle („Bergholländer“) aus dem Jahr 1842. Noch heute wird sie als Getreidemühle von Müllern des Vereins "Historische Mühlen im Selfkant" betrieben und kann besichtigt werden. Die Mühle aus Backstein hat Gitterrostflügel, die mit Segeln bespannt werden.
Erbaut wurde sie als Getreide- und Ölmühle und erhielt dann 1858 eine Dampfmaschine. 1921 wurde das Anwesen an Jakob Verbeek verkauft, dessen Nachfahren noch heute Besitzer der Mühle sind. Die Dampfmühle blieb bis zur Wende zum 20. Jahrhundert in Betrieb. 1920 wurden Teile der Anlage und 1940 der hohe Schornstein abgebaut. Ebenfalls 1940 löste ein Sturm die Ankerpflöcke und setzte die Flügel in Gang. Durch die Reibung der Bremse setzte sich das hölzerne Trieb- und Balkenwerk in Brand. Als kriegswichtiger Versorgungsbetrieb wurde der Mühlenschaft umgehend mit Flügeln, Achse und König einer in Alkmaar in Abbruch befindlichen Mühle wieder hergerichtet.
Bis 1950 war die Mühle in Betrieb. Bei der Dachinstandsetzung der Mühlenhaube im Jahre 1989 wurde das Schmuckbrett wieder beschriftet:
„Mien Aerm send stärk, Dröm brengt mech Werk“ („Meine Arme sind stark, darum bringt mir Arbeit“). Besichtigungen: i.d.R samstags 10:00 -15:00 Uhr (März-Okt.) und nach Vereinbarung: Müller Hubert Verbeek , Tel.: +49 173 2843281. www.muehlenverein-selfkant.de/
Leicht abwärts geht es ins Tal der Rur. In Haaren liegt der KP 13. Den Fluss erreichen Sie am KP 23 und radeln dann Richtung KP 22 entlang des Flusses. An der B 221 bei Orsbeck wenden Sie sich nach links zum KP 21 und radeln entlang der Straße durch den Ort und - nach Querung der L 117 - hinein nach Wassenberg.
Sauberes, gesundes Wasser war in früheren Zeiten keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Das Wasser aus Brunnen und Gewässern war oft voller gesundheitsschädlicher Keime, die viele Krankheiten verursachten. Wenn es ging, tranken die Menschen kein Wasser, sondern Leichtbier oder verdünnten Wein, um sich so vor Krankheit zu schützen. Das älteste überlieferte Bierrezept ist ca. 5000 Jahre alt und stammt aus China. Auch die Ägypter ließen halbfertig gebackenes Brot mit Wasser vergären und bekamen so eine Art von Bier. Die vor rund 2500 Jahren in der Region lebenden Kelten kannten mehrere Biersorten, ein einfaches Gerstenbier und die Cervisia, ein Weizenbier mit Honig für die Wohlhabenderen.
In Wassenberg gab es einmal mehr als 40 Brauereien – von Familien, die nur für sich und ihre Nachbarn das Bier herstellten bis hin zu größeren Gaststätten, die Bier in großen Mengen und verschiedenen Sorten produzierten.
Bis Frühjahr 2025 gab es wieder die Tradition des Bierbrauens in Wassenberg: Auf dem Rosstorplatz stellte ein kleine Brauerei sogenanntes Craft Beer her, das Rossberger Bier. Vielleicht wird das Handwerk ja nochmals neu aufblühen.
Richtung KP 29 radelnd erreichen Sie die Ecke Parkstraße / Pontorsonallee, biegen nach links und erreichen den Infopunkt am Naturpark-Tor.
Ausrüstung
Sicherheitshinweise
Weitere Informationen
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