Tierisch unterwegs – 3 besondere Spaziergänge, die du am Niederrhein unbedingt erleben musst
Stell dir vor: Du spazierst durch die Natur – an deiner Seite ein Alpaka oder ein weißer Zwergesel. Statt Alltagstrubel gibt’s sanftes Hufgetrappel, neugierige Blicke und jede Menge tierischer Charme. Am Niederrhein erwarten euch Auszeiten, die mehr sind als ein Ausflug – nämlich Erlebnisse für Herz und Seele. Ich habe drei besondere Orte entdeckt, an denen Mensch und Tier ein echtes Miteinander erleben – ideal zum Entschleunigen, Staunen oder Verschenken.
Tipp 1: Alpakaspaziergang im KALISTO Tierpark – Entschleunigung mit Knopfaugen in Kamp-Lintfort
Manchmal braucht es gar nicht viel, um dem Alltag zu entkommen – ein paar flauschige Vierbeiner, ein Spaziergang durch einen besonderen Tierpark und die Kulisse einer alten Zeche reichen völlig aus. Im Herzen der ehemaligen Bergwerkslandschaft von Kamp-Lintfort wartet mit dem KALISTO Tierpark ein Ort, der entschleunigt, verzaubert – und Alpakas mit ganz viel Charakter bereithält. Und hier wartet eine besondere Auszeit auf euch: ein Spaziergang mit Alpakas, bei dem ihr nicht nur die Tiere, sondern auch euch selbst ein wenig besser kennenlernt.
Schon der Ort selbst ist besonders: Der liebevoll gestaltete Tierpark KALISTO mit seinen „Haustieren der Welt“ war lange ein Geheimtipp, doch mit der Landesgartenschau 2020 (LAGA) hat sich das gesamte Areal des ehemaligen Bergwerks Friedrich-Heinrich in ein vielseitiges Naherholungsgebiet verwandelt. Rund um den Tierpark entstand ein großzügiger Zechenpark mit Spielplätzen, Spazierwegen und grünen Rückzugsorten – ein echtes Ausflugsziel für Familien, Naturfans und Tierfreunde aus dem gesamten Niederrhein und Ruhrgebiet.
Der moderne Park mit Café, Spielplatz und direktem Anschluss an den weitläufigen Zechenpark überrascht mit Begegnungen auf Augenhöhe – wortwörtlich, wenn ihr bei einem besonderen Angebot Erdmännchen füttern dürft oder ihr mitten zwischen Border Leicester Schafen und Hängebauchschweinen steht.
Das Highlights meines Besuches damals war eindeutig der Alpakaspaziergang, den ihr in zwei Varianten buchen könnt: Entweder ganz exklusiv als Zwei-Personen-Erlebnis oder in einer kleinen Gruppe mit maximal sechs Teilnehmenden. Der Guide Frank Grün – Pferdetherapeut mit Herz – empfing uns mit spürbarer Leidenschaft für die Tiere. Bevor es losging, erklärte er einiges über die flauschigen Begleiter: Wusstet ihr, dass Alpakas ihre „Toilette“ gemeinschaftlich nutzen und sich dafür sogar anstellen?
Nach dem ersten Kennenlernen und dem Anlegen der Halfter ging es auch schon los: Mit dem Alpaka eurer Wahl spaziert ihr durch den Tierpark hinaus auf die Wiesen des Zechenparks. Dabei zeigt sich: Alpakas sind neugierig, aber auch sensibel – und mit jedem Schritt wird der Puls ein bisschen ruhiger. Das leise Trippeln der Hufe, die weiche Wolle an deiner Seite, das sanfte Schnuppern am Ärmel – all das macht diesen Spaziergang zu einem kleinen, entschleunigenden Glücksmoment.
Nach dem Rundgang dürft ihr die Tiere im Gehege sogar noch füttern und mehr über ihren Alltag erfahren. Besonders schön: Auch Menschen mit Beeinträchtigung sind beim Spaziergang herzlich willkommen. Der Tierpark bietet barrierearme Wege und ein Umfeld, das Nähe schafft, ohne zu überfordern.
Mein Fazit: Der KALISTO-Alpakaspaziergang ist perfekt für Familien, TierfreundInnen und alle, die sich nach einer kleinen Auszeit mit Tiefgang sehnen. Ein tierisches Erlebnis mit Herz mitten im Niederrhein.
Tipp 2: Eselwanderung auf dem Klappboomshof – Achtsamkeit auf vier Hufen in Sonsbeck
Ein Ort, an dem die Uhren langsamer ticken und sich alles um echte Begegnungen dreht – der Klappboomshof in Sonsbeck. Er ist kein typischer Bauernhof, sondern ein liebevoll geführtes Herzensprojekt, das mit seinen weißen Zwergeseln die Seele berührt. Hier durfte ich etwas ganz Besonderes erleben – meine erste Eselwanderung. Und die war viel mehr als nur ein Spaziergang.
Schon bei der Ankunft spürte ich, wie wohltuend dieser Ort ist. Hofhund Cara begrüßte uns freundlich, die Esel warteten schon in ihrem Gehege und Brigitte Krebber-van Betteray, die Gastgeberin, nahm sich jede Menge Zeit für uns. Früher war der Klappboomshof ein Schweinehof – heute ist er ein Ort der Ruhe, Kreativität und Entschleunigung. Und das spürt man in jeder Ecke.
Bevor wir starteten, gab es erstmal eine liebevolle Einführung. Ich durfte Bruno, meinen Wanderesel für den Tag, striegeln – das Fell fühlte sich weich und dicht an, fast wie bei einem riesigen Plüschtier. Die Hufe wurden ausgekratzt, Halfter angelegt, die ersten vorsichtigen Berührungen entstanden. Und plötzlich war da dieses Gefühl von Vertrauen – auf beiden Seiten.
Unsere Wanderung führte über Felder und Wiesen. Bruno wollte zwischendurch grasen, blieb stehen, schaute mich an und ich lernte schnell: Esel führen bedeutet, die Kontrolle loszulassen – aber nicht ganz. „Mit Respekt führen“, nannte es Brigitte, und genau das war es: Eine Begegnung auf Augenhöhe, in der man auch sich selbst wieder ein bisschen besser versteht.
Zurück auf dem Hof erwartete uns ein liebevoll gedeckter Pausenplatz an der alten Kutsche: Es gab Saftschorle von van Nahmen, hausgemachte Eselplätzchen und ein kleines Eselquiz mit Goldtaler-Belohnung. Alles ist mit so viel Hingabe gemacht, dass man am liebsten noch länger bleiben möchte.
Ein besonderes Highlight: Es stehen bereits neue Angebote in den Startlöchern – von Yoga mit Eseln über Weinyoga mit regionalem Tropfen vom Weingut Viniazzi bis hin zu geführten Kräuterwanderungen.
Mein Fazit: Wer die Langsamkeit wieder spüren, echte Verbindung mit Tieren erleben und dabei auch sich selbst besser kennenlernen möchte, ist hier goldrichtig. Die Eselwanderung auf dem Klappboomshof ist viel mehr als ein Ausflug – sie ist eine Philosophie, die nachhaltig wirkt.
Tipp 3: Alpaka-Spaziergang in Willich – Entschleunigung mit Herz in Alpaka am Flöthbach
Manchmal sind es die flauschigen Begegnungen, die einem den Atem rauben – so ging es mir bei Alpaka am Flöthbach in Willich-Anrath. Hier hat sich Almuth Becker 2015 ein kleines Paradies geschaffen, in dem Alpakas nicht nur bestaunt, sondern auch geführt, gefüttert und erlebt werden können. Und das mit einer Hingabe, die man spürt, sobald man das Gelände betritt.
Die Alpakas – allen voran der kleine weiße Sam, mein Favorit – sind freundlich, neugierig und haben diesen ganz besonderen Blick, der einen direkt ins Herz trifft. „Alpakas sind Fluchttiere und mögen es nicht, gestreichelt zu werden“, erklärt mir Almuth direkt. Und dennoch fühlt man sich sofort verbunden, wenn die Tiere einen beschnuppern und ihre Nase sanft gegen die Hand drücken.
Bevor der Spaziergang beginnt, dürfen BesucherInnen beim „Meet & Greet“ die Tiere auf der Weide erleben, füttern und kennenlernen. Die Leckerchen – Leinölpellets – werden mit so viel Begeisterung angenommen, dass ich schnell von allen Seiten belagert wurde. Es ist ein bisschen wie ein Konzert mit flauschigen Fans – nur, dass hier niemand Autogramme will, sondern einfach nur ein Pellet.
Dann war es so weit: Ich durfte Sam an die Leine nehmen und mit ihm gemeinsam eine kleine Runde durch Feldwege und Wiesen drehen. Alpakas sind keine Kuscheltiere – aber sie sind wahnsinnig sensibel. Wenn man sich auf sie einlässt, merkt man schnell, wie ihre Ruhe auf einen selbst überspringt. Und wenn dann auch noch das Sonnenlicht durch die Baumwipfel fällt, ist die Welt plötzlich ein kleines bisschen friedlicher.
Besonders berührt hat mich Almuths Geschichte: Nach 28 Jahren Lufthansa entschied sie sich für ein Leben mit mehr Sinn und Nähe zur Natur. Heute bietet sie Spaziergänge mit maximal sechs Alpakas an – für kleine Gruppen oder Familien. Die Preise sind fair, die Erlebnisse unbezahlbar.
Mein Fazit: Alpaka am Flöthbach ist ein Ort, an dem Träume wahr werden – leise, ehrlich und mit viel Herz. Ob zum Verschenken oder selbst Erleben: Wer einmal mit einem Alpaka spazieren war, nimmt mehr mit als Fotos – nämlich Ruhe und ein langanhaltendes Lächeln.