Wassenberg ist Luftkurort – Meine Highlights von Atemwandern bis zum Schlemmermarkt

01.08.2025

Manchmal braucht es nur einen Ort, um tief durchzuatmen. Einen Ort, der Ruhe schenkt, ohne langweilig zu sein – der die Sinne weckt, die Seele streichelt und neue Energie gibt. Wassenberg ist so ein Ort. Und das ganz offiziell: Seit kurzem darf sich die niederrheinische Stadt wieder Luftkurort nennen. Ich habe mich aufgemacht, genau das zu erleben – bei einer besonderen Atemwanderung, beim Genießen, Staunen und Entdecken. Was ich dabei gefunden habe? Eine Stadt voller Leichtigkeit, Lebensfreude und überraschender Vielfalt.

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Wie Wassenberg zum Luftkurort wurde

Die Auszeichnung zum Luftkurort ist nicht nur ein Aushängeschild, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Schon in den 1920er Jahren war Wassenberg als Kurort bekannt, doch durch den Bau eines nahegelegenen Militärflugplatzes ging der Status damals verloren. Erst 2022 fasste der Stadtrat einen mutigen und visionären Beschluss: Die Anerkennung als Luftkurort sollte erneut beantragt werden – mit dem Ziel, Wassenberg als Ort für nachhaltigen Gesundheitstourismus zu stärken.

Die Voraussetzungen dafür waren ideal: eine nachweislich hervorragende Luftqualität, ein wissenschaftlich bestätigtes Bioklima, weitläufige Wald- und Parkflächen, medizinische Einrichtungen mit Präventionsangeboten, charmante Hotels, gepflegte Gastronomie und eine intakte Innenstadt mit viel Liebe fürs Detail. Das alles überzeugte auch die Bezirksregierung Köln – seit 2025 trägt Wassenberg das offizielle Prädikat „Luftkurort“ wieder. Bürgermeister Marcel Maurer freut sich über das positive Ergebnis: „Es ist eine Anerkennung für den Weg, den wir mit den Schwerpunkten Natur, Kultur, Gesundheit und Genuss eingeschlagen haben.“

Atemwandern im Judenbruch

Was wäre ein Luftkurort ohne Angebote, bei denen man die gute Luft auch ganz bewusst erleben kann? Genau hier setzt das Atemwandern an – ein Gesundheitsformat, das mich persönlich tief beeindruckt hat. Ich durfte an einer privaten, geführten Tour mit der zertifizierten Wanderführerin Dorothee Mühlenbruch teilnehmen, die seit über einem Jahrzehnt Menschen durch die Natur rund um Wassenberg, aber auch u.a. in die Eifel, in den Niederlanden ins Bergische oder nach Belgien, begleitet. Doch ihre Touren sind mehr als nur Wandern – sie verbinden Atemtechnik, Körperhaltung und Bewegung zu einem ganzheitlichen Erlebnis.

„Ich zeig dir heute eine Zusammenfassung eines normalen Atemwanderkurses, der eigentlich vier Einheiten umfasst“, beginnt Dorothee und führt mich direkt in ein idyllisches Waldstück, dem Judenbruch, der auch ein Vitalwanderweg ist, zu dem ich später komme.

Schon zu Beginn der Wanderung wird deutlich: Es geht hier nicht um sportliche Leistung, sondern um ein bewusstes, gesundes Gehen. Dorothee zeigt mir direkt am Anfang einfache, aber wirkungsvolle Übungen zur Aktivierung der Atemmuskulatur und erklärt anschaulich, wie Haltung, Atmung und körperliche Belastbarkeit zusammenhängen. „Viele Menschen“, so erzählt sie, „geraten heute schon bei geringer Anstrengung außer Atem. Ein Teufelskreis beginnt: Weniger Bewegung führt zu noch weniger Belastbarkeit und gar zu Verspannungen, die zusätzlich etwa durch Stress oder banale Dinge, wie das falsche Schuhwerk ausgelöst werden können. Das Atemwandern setzt genau hier an – es macht das Atmen wieder zum Freund, nicht zum Gegner.“

Lungenkapazität steigern

Dorothee bleibt während der kleinen Wanderung immer wieder stehen und teilt jede Menge Wissenswertes mit mir. Ihr Ziel ist es, den KursteilnehmerInnen einen ganzheitlichen Blick auf alles rund um die Atmung und die Zusammenhänge zu gewähren. Was mir besonders gut gefällt, sie bindet mich mit ein: „Was denkst du, was wichtiger ist – Ein- oder Ausatmen?“, fragt mich Dorothee. Mein erster Gedanke ist Einatmen, aber tatsächlich ist es das Ausatmen, damit die Lunge wieder besser mit Sauerstoff gefüllt wird, wenn man wieder einatmet.

Mir war auch nicht bewusst, dass man die Lunge nicht trainieren kann, weil sie ja nun mal kein Muskel ist. Man kann allerdings alles drum herum trainieren und so die Beweglichkeit und auch die Lungenkapazität steigern. Oder wusstet ihr, was im Notfall zu tun ist, wenn man keine Luft bekommt? „Das Wichtigste ist, den Oberkörper frei hängen zu lassen. Generell ist es auch wichtig, dass die Kleidung den Oberkörper nicht einengt“, erklärt mir Dorothee. „Wenn einen der Stress überwältigt, hilft die Kontaktatmung. Die Hände werden auf Brust, Bauch und Flanken gelegt, damit wir über die Hände spüren, wie sich der Bauch etc. auf und ab bewegt und wir die Atmung bewusst wahrnehmen.“

Regelmäßige Übungen

Beim nächsten Halt an einer Plattform an einem Weiher machen wir wieder ein paar, leichte Übungen. „Ich sage meinen TeilnehmerInnen immer, dass sie bei den Übungen an ihre Grenze gehen können und etwas darüber hinaus. Auch bei Krankheiten wie COPD oder Longcovid ist man fast nie machtlos und kann immer selbst was tun“, betont Dorothee. „Ich erinnere mich noch an einen Kursteilnehmer der COPD hatte und am Ende des Kurses froh war, diesen gemacht zu haben, weil er einfach viel für seinen Alltag mitnehmen konnte.“ Und Dorothee hat noch weitere Anekdoten, die bestätigen, dass sie mit dem, was sie macht, für viele eine große Hilfe ist. Ihr Wissen über Krankheiten wie COPD hat Dorothee übrigens von einem Lungenfacharzt bzw. lässt sie sich von diesem fachlich beraten.

Während unserer Tour durch den Judenbruch habe ich gelernt, wie wichtig es ist, bewusst zu atmen – tief, gleichmäßig, rhythmisch. Und wie gut es tut, sich selbst dabei Raum zu geben: Das ist nicht nur gesund, das ist achtsam und tiefenentspannend. So erlangt man auch eine bessere Fitness bzw. Leistungssteigerung, welche sich durch „das richtige Atmen“ einstellt; denn das ist ja ein zentraler Punkt des Trainings. Die eindrucksvolle Landschaft bietet die ideale Kulisse und macht die Atemwanderung so zu einem rundum gelungenen Erlebnis.

Kostenloser Schnupperkurs

Beim großen Stadtfest rund um das Thema Luftkurort am 7. September 2025 – mehr dazu ebenfalls später – habt ihr übrigens die Möglichkeit, Dorothee und ihre Methode selbst kennenzulernen – bei einer kurzen Schnupper-Atemwanderung über ca. 1,5 Stunden um 12 Uhr (Start: Vorplatz Hotel-Restaurant Burg Wassenberg, Auf dem Burgberg 1) sowie einer Sitzrunde für mobilitätseingeschränkte Gäste am selben Ort um 15 Uhr. Alle Einheiten sind im Rahmen des Stadtfestes kostenfrei und bieten einen perfekten Einstieg in das Thema.

Wer danach weitermachen möchte, kann sich für den kompletten Kurs anmelden – auch in Kombination mit Haltungstraining, Wissensvermittlung und, für alle, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, als Stuhlgymnastik. Die Atemwanderung umfasst vier Einheiten und ist nicht nur für Menschen mit einer Lungenerkrankung geeignet, sondern auch für alle, die einfach mal wieder tief durchatmen wollen. Anmelden könnt ihr euch per Mail unter info@wanderfreuden.eu oder unter 02432-9620317. Weitere Infos findet ihr hier.

Vitalwandern mit Aussicht – Terrainkur am Niederrhein

Ebenfalls neu in Wassenberg: das Netzwerk aus Vitalwanderwegen, das eigens für die Luftkurort-Prädikatisierung entwickelt wurde. Vier sorgfältig konzipierte Routen zwischen 2,3 und 8 Kilometern führen durch die schönsten Natur- und Kulturorte der Stadt – darunter der Judenbruch, wie schon erwähnt, die Bergfriedroute oder die Pützchenroute.

Diese sogenannten Terrainkurwege sind nicht einfach nur Spazierwege. Sie wurden bioklimatisch und physiologisch bewertet, abgestimmt auf unterschiedliche Fitnesslevel, und dienen der sanften Kräftigung von Kreislauf, Muskulatur und Atemwegen. Sie sind ideal für alle, die ihre Ausdauer gezielt verbessern oder nach einer Reha aktiv bleiben möchten – und gleichzeitig die Natur intensiv erleben wollen.

Besonders schön: Einige Wassenberger Glücksorte, wie der Rosengarten oder der Gondelweiher liegen direkt auf den Routen – so verbindet sich Gesundheitsförderung ganz nebenbei mit Glücksmomenten. Ein Infoflyer zu den Wegen ist am Naturpark-Tor erhältlich, wo auch alle Routen starten und enden.

Skulptur von Tony Cragg

Save the date: Das Stadtfest zur Feier des Luftkurortes am 7. September 2025

Wie feiert man eigentlich einen Luftkurort? Ganz einfach: mit ganz viel Leben, Leichtigkeit, Genuss und Bewegung. Am 7. September 2025 lädt die Stadt zum großen Stadtfest im gesamten Kurgebiet ein – und das Programm kann sich sehen lassen.

Von 10 bis 18 Uhr gibt es ein buntes Bühnenprogramm mit Tanz, Musik, Mitmachaktionen und kulinarischen Ständen. Der Tag beginnt mit einem Familiengottesdienst in Küsters Garten, gefolgt von der offiziellen Begrüßung durch Bürgermeister Maurer am Heckentheater. Danach verteilt sich das Geschehen auf die ganze Innenstadt und den Kurpark.

Was mich besonders begeistert hat: Die Vielfalt. Während die einen bei einer romantischen Kahnfahrt über den Gondelweiher schippern oder beim Waldbaden neue Energie tanken, können sich andere beim Pumptrack, Boule oder Golfparcours sportlich austoben. Kinder erwarten eine Hüpfburg, Bastelaktionen, ein Spielemobil, Luftballonkünstler und Kinderschminken.

Kunst- und Kulturliebhaber dürfen sich auf die Ausstellung „Makro – die Welt ganz nah“ im Bergfried freuen oder bei Führungen in die Gartenachse eintauchen, wo unter anderem die Skulptur von Tony Cragg steht. Und für alle, die sich einfach nur treiben lassen wollen, gibt es Genussstände mit Crêpes, Kaffee von der Kaffeemanufaktur RurRöster, Grillgut oder frischen Häppchen von der Lebenshilfe.

Kurzum: Das Stadtfest ist eine Liebeserklärung an alles, was Wassenberg ausmacht – von Luft über Kultur bis Lebensfreude.

SchlemmerMarkt Rhein-Maas

Vorfreude mit Geschmack: Der SchlemmerMarkt Rhein-Maas 2025

Wer schon vorher Lust auf Wassenberg bekommen hat oder einfach kulinarisch eintauchen möchte, sollte sich unbedingt den SchlemmerMarkt Rhein-Maas vom 7. bis 10. August 2025 vormerken. An vier Tagen verwandeln sich der Roßtorplatz und der Patersgraben in ein Paradies für Feinschmecker.

Schon zum 31. Mal kommen regionale und internationale Aussteller zusammen – mit kreativer Küche, handwerklich gebrautem Bier, ausgesuchten Weinen und liebevoll zubereiteten Köstlichkeiten. Mein Tipp: Unbedingt das SchlemmerKarussell besuchen – hier wechseln die Küchenchefs täglich. Von der „Schneebesen“-Crew aus Geilenkirchen bis zum Sternekoch Rainer Hensen, der am Wochenende aufkocht, ist alles dabei.

Auch kulturell wird es rund: Livemusik, Stadtführungen, ein buntes Kinderprogramm und Walking Acts wie die Band HÄTZBLATT sorgen für Unterhaltung auf und neben dem Teller. Am Donnerstagabend wird zudem die Goldene Schlemmerente 2025 verliehen – dieses Jahr an die charismatische Schweizer Spitzenköchin Meta Hiltebrand, bekannt aus „The Taste“ und „Kitchen Impossible“.

Der SchlemmerMarkt ist mehr als ein Fest für den Gaumen – er ist ein Treffpunkt für Genießer, ein Ort für Gespräche, Entdeckungen und neue Eindrücke. 

Foto: Patrick Gawandtka

Mein Fazit: Wassenberg ist ein Ort zum Durchatmen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn

Mit dem neuen Prädikat „Luftkurort“ hebt sich Wassenberg nicht nur landschaftlich, sondern auch inhaltlich von anderen Ausflugszielen am Niederrhein ab. Es vereint Gesundheit und Genuss, Bewegung und Achtsamkeit, Natur und Kultur auf besonders harmonische Weise.

Ob bei einer Atemwanderung, einem Spaziergang auf den Vitalrouten, beim Stadtfest oder beim Schlemmen mit Blick auf den Burgberg – Wassenberg bietet Raum für neue Perspektiven, tiefere Atemzüge und wertvolle Momente.

Wer mich fragt: Das ist genau die Frische, die wir alle manchmal brauchen.