Haus Deckers in Walbeck – Spargelgenuss mit Geschichte und Herz
Walbeck ist weit über die Region hinaus als Spargeldorf bekannt – und mittendrin liegt ein Haus, das diese Tradition seit Generationen prägt: das Haus Deckers. Hier treffen niederrheinische Geschichte, gelebte Gastfreundschaft und echte Genusskultur aufeinander. Ich bin schon das zweite Mal vor Ort, habe mich durch die Spargelkarte geschlemmt und dabei nicht nur kulinarische Highlights entdeckt, sondern auch viel über die Geschichte dieses besonderen Ortes und das königliche Gemüse selbst erfahren.
Im Herzen von Walbeck
Schon beim Ankommen auf dem Marktplatz fällt das Haus Deckers ins Auge, dass sich mit seiner historischen Fassade perfekt ins Ortsbild einfügt. Das denkmalgeschützte Gebäude blickt auf über 155 Jahre Geschichte zurück – und genau das spürt man vom ersten Moment an.
Beim Eintreten empfängt mich eine warme, einladende Atmosphäre mit einer ordentlichen Portion Nostalgie. Viel Holz, liebevoll ausgewählte Details von Lampen über Bilder und eine gewisse Ruhe machen den Aufenthalt sofort angenehm. Es fühlt sich sogar an, wie eine kleine Zeitreise und genau das, wissen nicht nur die Stammgäste zu schätzen. Es ist kein Ort, der sich verstellen muss – hier ist alles gewachsen, authentisch und genau deshalb so besonders.
Verabredet sind wir heute wieder mit Norbert Deckers, der Inhaber in der 5. Generation, der uns nach meinem ersten Besuch vor fünf Jahren wieder herzlich begrüßt. Auf seine Frau Sarah treffen wir später, die gerade noch als gute Seele der Küche fleißig ist.
Niederrheinische Kunst
„Vieles hat sich nicht verändert“, lacht Norbert. „Hier und da haben wir nur Kleinigkeiten geändert, damit wir den Charakter vom Haus Deckers bewahren.“ Wir gehen eine kleine Runde durch das Restaurant und Norbert bleibt an einem Bild stehen. „Besonders stolz sind wir auf unsere neue bzw. gewachsene Kunstsammlung des niederrheinischen Landschaftsmalers Reinhard Maria Bongartz, von dem wir mittlerweile zehn Gemälde haben.“ Die Bilder passen wirklich perfekt, auch wie diese gerahmt sind – alles fügt sich harmonisch in den Charme vergangener Tage ein, die das Haus Deckers ausstrahlt.
Viel Liebe zum Detail
Details mit Geschichte
Besonders schön und urig finde ich auch die Standuhr, die natürlich auch eine kleine Geschichte hat. „Auf dem Bild da vorne siehst du ein Gruppenbild nach einer Priesterweihe. Dieser Priester war mein Großonkel, der die Standuhr damals von seinen Nachbarn geschenkt bekommen hat. Auf dem anderen Foto siehst du meine Urgroßeltern bei ihrer Silberhochzeit 1919 und daneben ein Bild unserer örtlichen Fußballmannschaft von 1924 vor unserem Haus.“ Fasziniert bleibe ich kurz vor den Fotos stehen, so viel Geschichte und über die erzählt mir Norbert jetzt mehr.
Ein Haus mit bewegter Vergangenheit
„Die Geschichte des Hauses beginnt im Jahr 1863. Im Laufe der Jahre war es weit mehr als nur eine Gaststätte: Es diente gleichzeitig als Poststation, Bäckerei und Kolonialwarenladen – ein zentraler Treffpunkt im Dorfleben“, beginnt Norbert. Gerade solche Orte erzählen viel über die Entwicklung einer Region, denn hier liefen früher alle Fäden zusammen.
Schon früh hielt auch der Spargel Einzug ins Haus Deckers. Ab 1935 wurde er hier nicht nur serviert, sondern auch selbst angebaut und verkauft. Damit gehört das Haus zu den Pionieren der Spargelkultur in Walbeck.
Eine besonders spannende Episode ist die Zeit während des Zweiten Weltkriegs: Britische Truppen besetzten das Haus und gaben ihm den Namen „The Savoy“. Auch der Marktplatz erhielt mit „The Strand“ eine neue Bezeichnung. Diese Geschichte wird bis heute lebendig gehalten – unter anderem durch ein gleichnamiges Menü, das an diese Zeit erinnert und zeigt, wie eng Kulinarik und Geschichte miteinander verbunden sein können.
Rundgang durchs Haus
Haus Deckers ist heute aber weit mehr als ein Restaurant. Es ist auch ein kleines, charmantes Hotel – und gleichzeitig ein Ort für Veranstaltungen und Tagungen. Gerade diese Kombination macht es so vielseitig.
Wir gehen in Richtung eines Saals für Veranstaltungen Tagungen. Auf dem Weg und im Saal selbst fallen mir die auf Leinwand gezogene Fotografien auf, die Norbert selbst gemacht hat – Fotos aus der Heimat und von einem Island-Trip. „Generell bin ich dem Thema Fotografie und Kunst sehr zugewandt und deswegen haben wir auch wechselnde Ausstellungen. Hier vorne steht noch ein Gemälde der letzten Ausstellung des Dichters Jakob Schopmans, dessen Geburtshaus hier an der Stelle steht, wo jetzt das Posthotel von 2006 ist. Damals hat er sogar zeitgleich mit meiner Familie mit dem Servieren des Spargels angefangen“, erklärt mir Norbert die Zusammenhänge.
Nachhaltigkeit & Natur
Wir gehen raus in den „kleinen Park“ bzw. Naturgarten, der erst 2019 dazugekommen ist. Es gibt Liegen, Bänke und jede Menge heimische Bäume, Sträucher, Hecken und Stauden. Ein Bouleplatz ist ebenfalls vorhanden. Das Wichtigste aber: Hier gibt es jede Menge Lebensraum für Insekten und Vögel. „Wir sind vom NABU auch als eulenfreundliches Haus ausgezeichnet worden, weil diese hier regelmäßig genistet haben. Aktuell hat ein Dohlen-Pärchen diesen Platz eingenommen“, erklärt mir Norbert weiter.
Aber auch das Thema Nachhaltigkeit ist im Hause Deckers präsent. Plastik wurde schon länger verbannt und in Kürze wird es eine Photovoltaik-Anlage über der Parkplatzüberdachung geben.
Zimmer mit Details
Als nächstes gehen wir wieder durch den Saal und hoch in die erste Etage des Hauses. Ich darf in zwei Zimmer einen Blick werfen. Sie sind individuell gestaltet und tragen Namen mit regionalem Bezug. Alles wirkt durchdacht, ohne aufgesetzt zu sein: helle Räume, gemütliche Betten, moderne Ausstattung und gleichzeitig ein spürbarer Bezug zur Geschichte des Hauses. Von einem Zimmer aus kann man sogar bis Holland schauen.
Was mir auch besonders gut gefällt, ist die Bettwäsche mit kleinen Blümchen. Sonst ist diese in anderen Hotels meistens clean weiß, aber das hat wieder Charme, passend zum Haus Deckers eben.
Nicht nur die Spargelkarte lohnt sich
Die Spargelkarte
Jetzt bekomme ich langsam Hunger und freue mich auf meinen ersten Spargel des Jahres. Ein Blick auf die Speisekarte im Haus Deckers zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig Spargel sein kann. Von klassischen Kombinationen bis hin zu raffinierten Variationen ist alles dabei.
Der Klassiker bleibt natürlich frischer Spargel mit Petersilienkartoffeln, wahlweise mit zerlassener Butter oder Holländischer Soße. Dazu gibt es eine große Auswahl an Beilagen – von verschiedenen Schinkensorten über Fisch wie Zander oder Lachs bis hin zu Fleischgerichten wie etwa das Filet des niederrheinischen Charolais-Rindes.
Ich entscheide mich für die Kombination mit gemischtem Schinken – einer der Bestseller im Haus Deckers.
80er-Vibes beim Servieren
Es dauert nicht lange und Sarah kommt aus der Küche. „Schön, dass ihr wieder hier seid. Bereit für den Spargel?“, lacht sie uns an. Was mir direkt wieder auffällt, alle Komponenten werden extra auf kleinen, silbernen Platten serviert. „Ja, das ist uns besonders wichtig, dass wir alles trennen, damit etwa das Spargelwasser nicht direkt in die Soße läuft“, erklärt mir Sarah.
Und genau das macht auch Sinn und das Spargelessen hier nochmal besonders. Alles erinnert etwas an die 80er-Jahre im positiven Sinne und auch der Schinken ist genauso gelegt, wie man das früher gemacht hat.
Offene Bio-Weine
„Moment, zum Spargel gehört ein schöner Weißwein“, stoppt uns Norbert kurz, geht an die Bar und holt uns seinen aktuellen Lieblingswein, den er erst kürzlich auf der ProWein entdeckt hat: Hahn Pahlke – Sauvignon Blanc, trocken. Das Besondere – es ist ein 100 %-Biowein. Wir haben aktuell zur Spargelzeit sieben offenen Weine und zwei Roséweine. Unsere komplette Weinkarte ist übrigens 100 % Bio.“
Der Spargel ist auf den Punkt gegart, aromatisch und angenehm zart. Auch die Kartoffeln schmecken hervorragend und der Schinken ist zart und saftig.
Spargel ist hier mehr als nur ein Gericht. Es ist ein Erlebnis. Der Duft, die Präsentation, die Kombination mit saisonalen Zutaten – all das macht den Genuss aus.
Gerade in Verbindung mit Erdbeeren oder Rhabarber, die als Nachtisch auf der Karte stehen, entsteht eine typische Niederrhein-Küche, die einfach zum Frühling gehört.
Menüs mit Geschichte
Auch die Menüs im Haus Deckers sind besonders und tragen Namen, die direkt mit der Geschichte des Hauses verbunden sind. „Zur Post“, „Zu den drei Kronen“ oder „The Savoy“ – jedes Menü erzählt seine eigene kleine Geschichte.
· Menü „Zur Post“
mit Spargelsalat, Rinderkraftbrühe, Spargel mit Medaillons und Erdbeeren mit Vanilleeis
· Menü „Zu den drei Kronen“
mit Spargelcremesuppe, Spargel mit verschiedenen Schinkenvarianten und einem süßen Abschluss
· Menü „The Savoy“
eine Hommage an die britische Zeit – mit Gouda, Butter und klassischem Apfelmus von der eigenen Streuobstwiese
Diese Verbindung aus Tradition und Kulinarik gefällt mir besonders gut. Es geht nicht nur ums Essen, sondern auch um die Geschichten dahinter.
Das Spargelbuffet gibt es jeden Freitag ab 19 Uhr
Das Spargelbuffet – Vielfalt entdecken
Ein ebenso besonderes Highlight ist sicherlich das Spargelbuffet. „Es kommen sogar extra Gäste aus Köln für das Buffet zu uns. Ein Paar hat sich vor 35 Jahren am Niederrhein kennengelernt und kommt seitdem mittlerweile aus Hamburg regelmäßig zu unserem Spargelbuffet“, erzählt mir Norbert.
Das Beste: Ihr könnt euch durch die gesamte Vielfalt probieren: von klassischen Gerichten über kreative Variationen bis hin zu süßen Desserts. Es gibt Spargelsalat, Schinkenröllchen, frische Salate der Saison und Stangenbrot, Spargelcremesuppe und Rinderkraftbrühe, frischer Spargel mit rohem, westfälischem Knochenschinken, gekochtem Hinterschinken, Schweineschnitzeln, Schweinelendchen, geräucherten Forellenfilets und geräuchertem Lachs, dazu Petersilienkartoffeln, zerlassene Butter und Holländische Soße. Frische Erdbeeren, Kompott von rotem Rhabarber und Diplomatencreme nach Art des Hauses dürfen als Abschluss nicht fehlen.
Walbeck – Zentrum der Spargelkultur
Aber was hat es mit der besonderen Beziehung zwischen Walbeck und Spargel genau auf sich? Walbeck ist nicht ohne Grund als Spargeldorf bekannt. Die besonderen Bodenverhältnisse der Maas-Niers-Düne bieten ideale Voraussetzungen für den Anbau. Sandige, lockere Böden, kombiniert mit einem milden Klima, sorgen dafür, dass der Spargel hier besonders gut gedeiht.
Ein Meilenstein in der Geschichte war das Jahr 1929: Damals wurde in Walbeck die erste Spargelbau-Genossenschaft Deutschlands gegründet – ein bedeutender Schritt für die Professionalisierung des Anbaus und die Vermarktung des Produkts. Bis heute spielt die Genossenschaft – heute der Verein Walbecker Spargel e.V. – eine wichtige Rolle und steht für Qualität und Tradition.
Doch die Geschichte des Spargels reicht noch viel weiter zurück. Bereits in der Antike wussten die Römer das feine Gemüse zu schätzen und brachten es vermutlich auch in unsere Region. Im Mittelalter galt Spargel vor allem als Heilpflanze, der man reinigende und stärkende Kräfte zuschrieb. Erst später entwickelte er sich zu dem kulinarischen Highlight, das wir heute kennen.
Interessant ist auch die kurze, aber intensive Saison: Spargel wird traditionell nur von Mitte April bis zum 24. Juni, dem Johannistag, gestochen. Danach braucht die Pflanze Zeit, um sich zu regenerieren und Kraft für das nächste Jahr zu sammeln. Diese Begrenzung macht den Spargel zu etwas Besonderem – er ist kein Alltagsprodukt, sondern ein echtes Saisonhighlight.
Der Star der Karte: Huchelspargel
Ein ganz besonderes Kapitel der Walbecker Spargelgeschichte ist der Huchelspargel. Diese Sorte wurde in den 1950er-Jahren von August Huchel gezüchtet und galt lange als echte Innovation.
Mit der Zeit geriet sie jedoch in Vergessenheit – bis sie vor einigen Jahren wiederentdeckt und neu kultiviert wurde. Heute ist der Huchelspargel eine echte Rarität und steht für die Verbindung von Tradition und Moderne. Der Geschmack ist feiner, leicht nussig, fast schon elegant. Er wirkt weniger dominant, dafür aber vielschichtiger. Genau solche Details machen den Reiz aus und zeigen, wie unterschiedlich Spargel schmecken kann. Serviert wird er im Haus Deckers an ausgewählten Tagen – ein kleines Highlight innerhalb der Spargelsaison.
„Der Huchelspargel ist auch die erste deutsche Spargelsorte, die es in die Arche des Geschmacks geschafft hat“, verrät mir Norbert weiter. „Das ist ein internationales Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität, das regional bedeutsame Lebensmittel fördert.“ Von der Slow Food Deutschland-Stiftung wird Norbert auch Unterstützer. Ziel ist es, dass der Huchelspargel deutschlandweit wieder angebaut werden soll.
Spargeltermine 2026 – Tradition trifft Erlebnis
In Walbeck wird die Spargelsaison regelrecht gefeiert. Im Haus Deckers gibt es zahlreiche Veranstaltungen, die den Genuss noch einmal auf eine andere Ebene heben:
- Jeden Mittwoch & Donnerstag: u.a. Menü „August Huchel“ mit der historischen Spargelsorte Huchels Leistungsauslese
- Jeden Freitag: großes Spargelbuffet ab 19 Uhr
- Jeden Samstag: Klavierabend mit Spargelmenü
- 3. Mai: Fest der Spargelprinzessin Monika II.
- 10. Mai: Muttertagsaktion - die Spargelprinzessin und der Spargeelgrenadier kommen zu Besuch
- 28. Mai: Huchelabend – ein besonderer Genussabend
Diese Termine zeigen, wie lebendig die Tradition hier ist und wie sehr sie in den Alltag integriert wird.
Passendes Arrangement
Habt ihr gewusst, dass das Haus Deckers für Radfahrer ideal gelegen ist? Die Umgebung lässt sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden und praktische Extras wie Fahrradgarage und E-Bike-Ladestation machen den Aufenthalt besonders komfortabel.
Perfekt, dass es jetzt zur Spargelsaison das Spargel-Fahrrad-Arrangement mit dem Namen „Spargelromantik in Walbeck“ gibt. Das Angebot gilt jedes Wochenende und beinhaltet zwei Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstücksbuffet, ein Schmugglerpaket, die Teilnahme am Spargelbuffet am Freitag, ein 4-Gänge-Spargel-Menü am Samstag mit Live-Klavier-Musik und ein Besuch der Steprather Mühle.
Mein Fazit
Haus Deckers ist für mich einer dieser Orte, die den Niederrhein ausmachen: authentisch, traditionsreich und gleichzeitig offen für Neues. Hier wird Spargel nicht einfach serviert – er wird zelebriert.
Die Kombination aus Geschichte, Atmosphäre und kulinarischer Qualität macht den Besuch zu etwas Besonderem. Wer die Spargelzeit wirklich erleben möchte, sollte sich einen Abstecher nach Walbeck nicht entgehen lassen.
Denn hier wird aus einem einfachen Gemüse eine echte Leidenschaft – und genau das spürt man bei jedem Besuch.