Kunst, Genuss & Kuba-Sounds im Freien – Zu Besuch im Schlosspark Neersen
Manchmal liegen die schönsten Ausflugsziele direkt vor der Haustür – das betone ich in meinem Blog und in meinem Buch immer wieder. Dieses Mal verschlägt es mich fast bis vor die eigene Haustür: in den Schlosspark Neersen in Willich. Hier findet am 5. September nicht nur ein besonderes Open-Air-Picknickkonzert mit kubanischen Klängen statt, sondern es gibt auch das ganze Jahr über viel zu entdecken: historische Schlossatmosphäre, einen beeindruckenden Skulpturenpark und jede Menge schöne Ecken zum Verweilen. Kommt mit auf meinen Rundgang durch eine der schönsten Parkanlagen am Niederrhein.
Treffpunkt am Schloss
Wir haben perfektes Wetter als mein Fotograf und ich am Schloss Neersen in Willich ankommen. Die Sonne strahlt, der Schlosspark ist angenehm ruhig, hohe Bäume spenden Schatten und das Schloss bildet eine beeindruckende Kulisse.
Begleitet werde ich heute von Jutta Saum vom Kulturteam der Stadt Willich, zuständig für die Bildende Kunst und damit auch für die Kunst im öffentlichen Raum. Sie zeigt mir den Schlosspark aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln – als Veranstaltungsort, als Naherholungsgebiet und als Freiluftgalerie.
„Viele kennen natürlich die Schlossfestspiele oder das Schloss selbst“, erzählt mir Jutta beim Spaziergang. „Aber der Park hat noch viel mehr zu bieten.“ Schon nach wenigen Schritten kann ich ihr nur zustimmen, denn wir stehen bereits vor der ersten monumentalen Skulptur. „Das ist eine Leihgabe von Thomas Schönauer. Er arbeitet mit Elementen, die sich in den Raum entfalten und auf ihre Umgebung wirken. Ein sehr abstraktes Objekt, das man ruhig einmal näher betrachten sollte“, lädt mich Jutta ein, über die Wiese zu gehen. Ein schöner Auftakt für unseren Spaziergang, der noch viele weitere Kunstwerke bereithält.
Ein Park mit Geschichte
Wir schlendern weiter und Jutta erzählt mir, dass die Ursprünge von Schloss Neersen und dem Park weit zurückreichen: „Als im 17. Jahrhundert der Vorgängerbau zum Schloss ausgebaut wurde, legte man den Außenbereich zunächst als barocken Garten ang. Erst um 1800 entwickelte sich daraus ein englischer Landschaftsgarten. So gibt es heute über 130 Jahre alte Bäume, die den Charakter des Parks prägen. In seiner heutigen Form wurde der Park zur EUROGA 2002+ wiederhergestellt. Bereits 1994 entstand zudem das Konzept für den Skulpturenpark, das seitdem stetig weitergewachsen ist.“
Heute verteilen sich mehr als zwanzig Skulpturen über das gesamte Parkgelände – und genau das macht den besonderen Reiz aus. Mal entdeckt man eine Skulptur schon von Weitem, mal versteckt sie sich zwischen Bäumen oder taucht ganz überraschend am Wegesrand auf.
Kuba-Klänge vor Schlosskulisse
Nach wenigen Schritten erreichen wir eine große Wiese mit gleich vier Skulpturen. „Genau hier vorne wird am 5. September die Bühne für unser Picknick-Konzert aufgebaut“, zeigt mir Jutta das Zentrum des Geschehens. „Direkt daneben wird es Cocktails und Getränke geben und hier vorne gibt es eine kleine Tanzfläche.“ Ich lasse den Blick über die Fläche schweifen und kann mir sofort vorstellen, wie stimmungsvoll dieser Ort am Abend wirken muss.
Aber was passiert an diesem Tag genau? Vor der Schlosskulisse findet dann erstmals das neue Picknick-Konzert statt. Ab 17 Uhr öffnet das Gelände seine Tore. Besucherinnen und Besucher können sich mit Picknickdecke oder Klappstuhl ihren Lieblingsplatz auf der großen Wiese aussuchen, bevor um 19 Uhr Bürgermeister Christian Pakusch den Abend eröffnet.
Anschließend sorgt die kubanische Band Mayarí Son mit Klassikern des weltberühmten Buena Vista Social Club und weiteren kubanischen Evergreens für echtes Karibik-Flair. Ergänzt wird das Programm durch Animation und eine Tanzshow von La Mirella vom Verein Franzen Zollhaus Willich. Gegen 22 Uhr endet der Konzertabend.
Während Jutta davon erzählt, bekomme ich direkt Lust, meine Picknickdecke schon mal vorsorglich zu suchen und Teil davon zu werden. Den Termin muss ich mir definitiv merken!
Weitere Infos zu den Ticketpreisen und Vorverkaufsstellen findet ihr am Ende des Beitrags.
Skulpturen mit Charakter
Nach dem kleinen Exkurs in die Event-Welt der Stadt Willich, darf ich mir noch ein paar weitere Skulpturen anschauen. Direkt an der Eventwiese stehen wir nicht nur vor einem Highlight hier im Park, sondern auch vor einem der neueren Zugänge. „Das Werk aus Hohlbronze trägt den Titel Myreen und stammt von Gereon Krebber, einem ehemaligen Meisterschüler von Tony Cragg und heutigen Professor an der Kunstakademie Düsseldorf“, erklärt Jutta. Die Skulptur wirkt erstaunlich organisch – beinahe so, als wäre ihr langsam die Luft entwichen. Es bleibt also genug Spielraum für Spekulation, was uns dieser Künstler sagen will.
In unmittelbarer Nähe befindet sich eine ältere Skulptur – die Dreifaltigkeit von Ulrich Hassenpflug, der hier im Park gleich mehrmals vertreten ist. Und Dreiecke sieht man an dieser Skulptur aus Cortenstahl überall, egal, aus welcher Perspektive man darauf schaut.
Wenige Schritte weiter stehen wir vor einer Schenkung des Künstlers Sandro Antal, der ebenfalls im Park mehrfach vertreten ist. „Der ehemalige Student der Düsseldorfer Kunstakademie musste aus gesundheitlichen Gründen sein Atelier aufgeben und hat uns gleich vier Skulpturen überlassen. Eine wurde von uns zuvor gekauft“, erklärt mir Jutta weiter. „Das sind die sogenannten Eisensteine aus der Serie Rolling Stones aus einem harten Stahlmaterial, was so einen direkten Bezug zum Ruhrgebiet und der dortigen Stahlindustrie hat. Die „Steine“ waren so schwer, dass diese sogar mit einem Tieflader gebracht werden mussten.“
Kunst für Jeden
Für mich ist der Schlosspark die perfekte Symbiose aus historischer Gartenkunst und modernen Elementen auf ganz natürliche Weise. Hier begegnet man Kunst nicht in geschlossenen Ausstellungsräumen, sondern ganz entspannt zwischen alten Bäumen, Wasserflächen und blühenden Beeten. „Die Kunst begegnet den Menschen hier ganz selbstverständlich und erreicht dadurch auch diejenigen, die sonst eher selten mit Kunst in Berührung kommen.“, ergänzt Jutta.
Das Wichtige: Hier muss niemand Kunst verstehen, um Freude daran zu haben. Man spaziert einfach durch den Park, genießt die Natur und entdeckt die Werke ganz nebenbei. Genau diese Verbindung aus Kunst, Landschaft und Naherholung macht den Schlosspark Neersen für mich zu einem Ort, an den man immer wieder gerne zurückkehrt.
Von El Loko bis Georg Ettl
Wir setzen unseren Rundgang fort, passieren dieses Mal eine kinetische, windbewegliche Skulptur von Ulrich Hassenpflug und drei Stelen von El Loko, einem ehemaligen Beuys-Schüler, der seine Heimat Togo in den Skulpturen lebendig gemacht hat.
Langsam nähern wir uns wieder dem Schloss. Fast unbemerkt und in perfekter Harmonie mit der Natur wacht „Der Wächter“ von Anatol Herzfeld über die Besucherinnen und Besucher des Parks. „Eigentlich heißt sein Werk „Soumagne“, benannt nach seinem Freund dem Mundartdichter Ludwig Soumagne, aber in Gestalt eines typischen Wächters – vielleicht ein Wächter der Mundart?“, erklärt mir Jutta weiter.
Ebenso dezent wirkt auch die Skulptur von Naotaka Naganuma, die im Detail überzeugt. Ganz anders wirken die beiden markanten Reiterfiguren von Georg Ettl, die den Treppenaufgang zur Schlossterrasse flankieren und Besucherinnen und Besucher förmlich begrüßen.
Jede Skulptur lädt dazu ein, kurz stehen zu bleiben und sie aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Besonders spannend finde ich auch, dass hier nicht nur bekannte Künstler vertreten sind, sondern jede Arbeit ihren ganz eigenen Charakter mitbringt.
Gut zu wissen – Teil 1
Wer zwischendurch eine Pause einlegen möchte, wird an der Orangerie fündig. Hier gibt es Eis, Kaffee und Kuchen – perfekt, um den Blick noch einmal über die weitläufige Parklandschaft schweifen zu lassen. Mir gefällt im Schlosspark besonders, dass sich hier alles ganz ungezwungen anfühlt. Ihr müsst keinem festen Rundweg folgen. Ihr entdeckt den Park einfach im eigenen Tempo.
Wenn ihr mehr über die Skulpturen erfahren möchtet, könnt ihr eine Führung bei Jutta Saum buchen. Die nächste findet am 27. September 2026 um 11 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist das Hauptportal des Schlosses.
Übrigens wird es in der kälteren Jahreszeit im Schloss auch Gruselführungen für Kinder geben und Erwachsene dürfen sich auf Geisterführungen freuen. Durchgeführt werden diese vom Stadtarchivar Udo Holzenthal.
Mein persönliches Fazit
Der Schlosspark Neersen ist für mich einer dieser Orte, die man viel öfter besuchen sollte. Hier treffen Geschichte, Natur und moderne Kunst auf ganz entspannte Weise zusammen. Mal entdeckt man eine neue Skulptur zwischen alten Bäumen, mal genießt man einfach die Ruhe am Wasser oder gönnt sich ein Eis an der Orangerie.
Mit dem neuen Picknick-Konzert bekommt dieser besondere Ort nun eine weitere Facette. Die Kombination aus Livemusik, Picknick und der beeindruckenden Schlosskulisse verspricht einen Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Gut zu wissen – Teil 2: Rund um das Picknick-Konzert
Wenn ihr das Picknick-Konzert besucht, dürft ihr ausdrücklich euren eigenen Picknickkorb mitbringen. Decken, Klappstühle, Deko, Snacks und alkoholfreie oder alkoholische Getränke (außer in Glasflaschen) sind erlaubt und machen den Abend besonders individuell.
Nicht erlaubt sind:
- Glasflaschen und Gläser
- offene Feuer wie Kerzen oder Gartenfackeln
- Grillgeräte
- scharfe Messer
- Pavillons, Zelte oder Zäune
- Tiere
- Fahrräder und E-Scooter auf dem Veranstaltungsgelände
- Sonnen- und Regenschirme (das Konzert findet auch bei Regen statt)
Sitzgelegenheiten sollten möglichst am Rand oder im hinteren Bereich der Wiese platziert werden, damit alle freie Sicht auf die Bühne haben.
Tickets
- Erwachsene: 22 Euro
- Ermäßigt: 10 Euro
- Kinder bis 6 Jahre: kostenfrei
Erhältlich sind die Karten:
- an der Theaterkasse am Schloss (montags bis freitags 9 bis 12.30 Uhr)
- online über die Stadt Willich
- sowie – sofern noch verfügbar – an der Abendkasse.
Wer möchte, kann an dem Abend außerdem eine limitierte Picknickdecke für 10 Euro an der Theater- oder Abendkasse erwerben.
Parkmöglichkeiten gibt es am Schloss, an der Niershalle, an der Verresstraße sowie am Edeka-Parkplatz. Der Zugang erfolgt über den Haupteingang am Technischen Rathaus (Rothweg 2).