Besondere Wanderrouten – Teil 26: Die Gänse-Route in Kranenburg

30.01.2026

Es gibt diese Tage, an denen der Niederrhein besonders leise wirkt. Kein Trubel, kein Lärm – nur Weite, Wind und das ferne Rufen der Wildgänse. Genau an so einem Tag mache ich mich auf den Weg zur etwa sieben Kilometer langen Gänse-Route in Kranenburg. Die besondere Wanderrunde führt mich von Wyler nach Zyfflich, über die Grenze zum niederländischen Duivelsberg und wieder zurück. Eine Route, die von Eiszeiten, Vogelzügen und einer Landschaft erzählt, die seit Jahrhunderten Rückzugsort ist.

Startpunkt Wyler – das kleine „Bergdorf“ am Niederrhein

Los geht es an der Bushaltestelle Kranenburg-Wyler (Bergweg 1). Schon hier wird klar: Wyler ist anders. Der Ort liegt erhöht auf einem echten Bergrücken – von der Niederung aus betrachtet fast schon ungewöhnlich für den sonst so flachen Niederrhein. Das Zentrum wird geprägt von der alten und der neuen Kirche St. Johannes Baptista, die weithin sichtbar über dem Dorf thronen.

Ich und mein Fotograf lassen Wyler aber erstmal langsam hinter uns, überqueren die Straße und einen Fluss und tauchen ein in die offene Landschaft der Düffel, einer linksrheinischen Auenlandschaft zwischen Kleve und Nijmegen. Die Sonne scheint, es ist knackig kalt und der Himmel fühlt sich endlos an – und ich habe sofort das Gefühl, entschleunigt zu werden.

Durch die meditative Düffel

Die Düffel ist ein ganz besonderes Gebiet. Begrenzet wird sie im Norden und Osten vom Spoykanal, Altrhein und Rhein/Waal, im Süden und Westen vom Höhenzug zwischen Kleve und Nijmegen. Beim Gehen wirkt dieser Abschnitt fast meditativ – ein langer, gerader Weg durch eine Landschaft, die sich ständig verändert.

Links und rechts erstrecken sich Wiesen und nach wenigen Meter sehe und höre ich sie – die ersten Gänse, die um die Wette schnattern und in kleinen und großen Formationen die Landschaft und den Himmel prägen. Mal fern, mal ganz nah. Hier solltet ihr unbedingt mal stehen bleiben, schauen, hören – und einfach wirken lassen.

Kleine Anmerkung an dieser Stelle: Die Gänse-Route ist bei der App Outdooractive hinterlegt und die Orientierung daher unproblematisch.

Zyfflich – das Storchendorf mit Herz

Vorbei an einem Bauernhof erreichen wir nach einiger Zeit den Ortsteil der Gemeinde Kranenburg: Zyfflich, liebevoll auch Storchendorf genannt. In der Nähe des Ortzentrums steht auf einem Pfahl das Nest des berühmten Storchenpaares Jan und Marie, das hier regelmäßig seine Jungen großzieht.

Als wir an der Pfarrkirche St. Martin vorbeigehen und links in die Straße „Zum Querdamm“ abbiegen, sehen wir ihn – Jan! Der Storch steht mitten auf der Wiese an der Dorfscheune. Erst haben wir gedacht, es handelt sich um eine Figur, aber dann bewegt er sich leicht. Wir sind überrascht, dass wir einen Storch so nah sehen und verweilen hier kurz.

Mein Tipp: Fernglas mitnehmen!

Obwohl wir uns kaum von dem Anblick losreißen können, gehen wir weiter durch ein kleines Wohngebiet. Wieder öffnet sich der Blick auf weites Feld. Rechts, etwas weiter weg, sieht man erneut eine große Wiese mit zahlreichen Gänsen. An der Stelle ein kleiner Reminder an mich: Das nächste Mal an ein Fernglas denken! So lassen sich die Gänse viel besser beobachten.

Bevor wir nach einigen Metern einen kleinen Skulpturenpark passieren und vor einer Sackgasse links abbiegen, machen wir kurz Halt. An der Ecke gegenüber begrüßen uns ein paar Schafe, die die Sonne genießen und uns verdutzt anschauen.

Das idyllische Wyler Meer

Am Ende der kleinen Straße gehen wir rechts und folgen dem Schild „Zum Wyler Meer“. Zur Linken sehen wir jetzt auch endlich das Storchennest, was förmlich über der Landschaft thront. Im Hintergrund hören wir immer noch die Gänse, die uns scheinbar auf dem Weg begleiten.

Wir nähern uns dem Wyler Meer und sehen in der Ferne rechts wieder eine Wiese mit jeder Menge Gänse. Jetzt stehen wir genau vor dem „Meer“. Ein schmaler Weg führt uns links an ihm vorbei, dann geht es über eine Brücke. Hier lohnt es sich auch, einmal kurz stehenzubleiben und die Szenerie auf sich wirken zu lassen.

Grenzgang & Höhenluft – hinauf zum Duivelsberg

Das Wyler Meer begleitet uns noch ein wenig zur Rechten und zur Linken durch ein kleines Waldstück. Hier überschreiten wir fast unmerklich die deutsch-niederländische Grenze, wenn nicht ein Wegweiser darauf hinweisen würde. Er trägt u.a. die Inschrift „Laat Vriendschap heelen, Wat Grenzen deelen“, was sich auf die grenzüberschreitende Freundschaft bezieht.

Wir verlassen den Weg durch ein kleines Törchen, überqueren eine Straße und stehen in der niederländischen Gemeinde Beek. Jetzt heißt es: Höhenmeter auf dem Weg zum Duivelsberg  (= Teufelsberg) machen. Der Anstieg ist durch Stufen moderat, aber spürbar – immerhin handelt es sich hier um eine Endstauchmoräne aus der letzten Eiszeit mit rund 80 Metern Höhenunterschied.

Oben angekommen, eröffnet sich an einem Aussichtsturm, den wir nach ein paar Metern erreichen, ein Panorama, das überrascht: Der Blick reicht über das Wyler Meer, die weite Düffel, den Ooijpolder bis hin zum Rhein/Waal. Ein Ort, an dem man automatisch langsamer wird. Ich bleibe stehen, atme tief durch und denke mir: Genau für solche Momente gehe ich wandern.

Einkehrmöglichkeit für eine kleine Pause

Wir halten uns rechts, durchqueren das Waldgebiet und erreichen das Pannekoekenhaus De Duivelsberg, das jetzt zur Mittagszeit schon gut besucht ist.

Wir bleiben aber stark und setzen unseren Weg links durch den Wald fort. Langsam geht es wieder bergab auf einen Weg, dem wir links folgen. Die Landschaft hier bietet ein Mix aus Wald und weites Feld. Ein ganzes Stück gehen wir geradeaus. Am Ende des Weges biegen wir scharf rechts ab und überwinden wieder einige Höhenmeter. Auch hier werden wir mit einem Blick auf einen weiten Blick auf Zyfflich und Umgebung belohnt.

Rückweg nach Wyler – ein Rundweg voller Eindrücke

Der Rückweg schließt den Rundkurs und führt mich nach etwa 7,86 Kilometern und rund zwei Stunden Gehzeit wieder nach Wyler zurück. Die Strecke ist gut machbar, abwechslungsreich und zu jeder Jahreszeit reizvoll – ihren ganz besonderen Zauber entfaltet sie wegen der Gänse jedoch zwischen Herbst und Frühling.

Wissenswertes: Die Wildgänse der Düffel

Die Düffel gehört zu den bedeutendsten Überwinterungsgebieten für arktische Wildgänse in ganz Europa. Jedes Jahr rasten hier in den Wintermonaten mehr als 100.000 Gänse.

Diese Gänsearten könnt ihr beobachten:

·      Blässgans – die häufigste Art in der Region

·      Saatgans – etwas größer, mit dunklem Schnabel

·      Nonnengans – auffällig schwarz-weiß gefärbt

Die Tiere kommen aus Sibirien und der Arktis und legen tausende Kilometer zurück, um hier auf den nährstoffreichen Grünlandflächen zu rasten und neue Energie zu sammeln. Besonders beeindruckend ist das gemeinsame Auffliegen ganzer Schwärme – ein Naturschauspiel, das man so schnell nicht vergisst.

Mit Experten unterwegs: Gänsespaziergänge mit dem NABU

Wer noch tiefer eintauchen möchte, dem lege ich die Wildgänse-Exkursionen der NABU-Naturschutzstation Niederrhein ans Herz. Zwischen November und Februar werden geführte Spaziergänge und sogenannte Gänsesafaris angeboten.

Dabei erfahrt ihr:

·      wie sich die einzelnen Gänsearten unterscheiden

·      warum die Düffel für sie so wichtig ist

·      wie Naturschutz und Landwirtschaft zusammenwirken

Die Exkursionen sind sowohl für Vogelkenner als auch für neugierige Einsteiger spannend – und eröffnen noch einmal einen ganz neuen Blick auf die Landschaft.

Mein Fazit: Eine leise, eindrucksvolle Route

Die Kranenburger Gänse-Route ist keine Wanderung für das schnelle Abhaken. Sie ist eine Route zum Innehalten, Beobachten und Verstehen. Wer Natur liebt, sich für Vogelzüge interessiert oder einfach einmal erleben möchte, wie weit und ruhig der Niederrhein sein kann, ist hier genau richtig.

Zieht euch jetzt im Winter warm an, nehmt euch Zeit – und lasst euch von den Gänsen zeigen, wie schön Langsamkeit sein kann.