Besondere Radrouten – Teil 2: Heide-Radtour ab Brüggen
Es gibt Tage, an denen möchte man einfach raus – ohne festen Plan, aber mit dem Wunsch nach Weite, Farben und frischer Luft. Genau so ein Tag ist heute! Mein Ziel: eine 35 Kilometer lange Rundtour ab Brüggen, die mich durch drei ganz unterschiedliche Heidegebiete führt – jedes mit seinem eigenen Charakter, seiner eigenen Stimmung und einer Portion Zauber, den man nur versteht, wenn man ihn selbst erlebt hat. Ich habe mich für die Zeit der Heideblüte entschieden – die Wochen, in denen sich ganze Flächen in ein leuchtendes Lila verwandeln.
Los geht’s – vom Burginnenhof ins Grüne
Vorab habe ich mir mit meinem Fotografen ganz bequem über die NiederrheinRad-Verleihstation ein Pedelec an der Tourist-Information Brüggen reserviert. Das Ganze funktioniert wieder denkbar einfach und auch vor Ort ist die Abholung in wenigen Minuten erledigt.
Wie das Ganze nochmal genau funktioniert? Über die kostenlose MOQO-App registriert ihr euch einmalig, hinterlegt eine Zahlungsmethode und sucht dann per Live-Karte ein verfügbares Fahrrad. Die Buchung erfolgt direkt in der App, das Schloss öffnet sich zum Startzeitpunkt automatisch per Bluetooth oder könnt es über die App öffnen, wenn ihr vor dem Rad steht. Zwischenstopps sind jederzeit durch die „Pause“-Funktion möglich. Die Rückgabe kann an jeder offiziellen NiederrheinRad-Station erfolgen.
Der Startpunkt könnte malerischer kaum sein: Mit einem letzten Blick auf die imposante Burg Brüggen fahren wir durch das Burgtor hinaus. Die Burgmauern liegen im goldenen Morgenlicht und es ist noch angenehm kühl, die Straßen sind leer, und ich höre nur das Knistern der Kieselsteine unter unseren Reifen. Wir überqueren hinter der alten Tankstelle nur einmal die Straße und fahren ab da immer der Schwalm entlang – für mich einer der schönsten Strecken hier am Niederrhein. Wir folgen dem Weg in Richtung Overhetfeld mithilfe der App Outdooractive und so kann nichts schief gehen.
Idyllische Schwalm
Die Schwalm fließt ruhig neben mir, nur das Plätschern des Wassers und das leise Surren unserer Räder begleiten uns. Ein paar Enten ziehen gemächlich ihre Bahnen, und hier und da begegnen wir ein paar Menschen, die selbst mit dem Rad unterwegs sind oder mit ihren Hunden spazieren gehen. Es sind diese kleinen Begegnungen, die so typisch für den Niederrhein sind – niemand hat es eilig, und ein kurzes „Morgen!“ gehört einfach dazu.
Beliebtes Fotomotiv
Egal, an welcher Stelle wir vorbeikommen, es ist überall schön und die Landschaft zeigt sich von seiner besten Seite. Der witzigste Moment der Radtour passiert an einer schönen Holzbrücke – das ideale Fotomotiv. Das dachte sich wohl auch ein älteres Pärchen, während die Frau von ihrem Mann ein Foto mit der Brücke im Hintergrund macht. Uns hat sie nur gesagt, dass wir ruhig vorbeifahren können, aber so ein schönes Foto möchten wir natürlich auch haben.
Wacholderheide im Elmpter Schwalmbruch
Hinter der Holzbrücke geht es übrigens direkt nach rechts und die App führt uns weiter bis zum Venekotensee. An vielen Stellen erhasche ich einen Blick auf den See und die ein oder andere Bank wartet darauf mit dem perfekten Seeblick genutzt zu werden. Das sieht auch eine ältere Dame so und genießt ein wenig die Morgensonne.
Während die Schwalm uns rechts noch was begleitet, biegen wir einmal links ab und erreichen die Wacholderheide im Elmpter Schwalmbruch. Schon von Weitem entdecke ich die markanten, lila Wacholderbüsche, die wie kleine, knorrige Wächter über die sanft gewellten Heideflächen stehen. Ich steige kurz ab und bewundere das lila Naturschauspiel. Ihr könnt dazu auch den Aussichtsturm nutzen, der ganz in der Nähe den Blick weit über das Gebiet öffnet.
Im Brachter Wald – zwischen Geschichte und Heideblüte
Weiter geht es Richtung ehemaliges Munitionsdepot Brachter Wald. Der Eingang wirkt unscheinbar, fast wie ein vergessener Ort. Doch schon nach wenigen Metern breitet sich ein weitläufiges Naturparadies aus. Die asphaltierten Wege, gesäumt von weißen Markierungen, erinnern daran, dass dies einmal ein militärisch genutztes Gelände war – heute gehört es ganz den Spaziergängern, Radfahrern und natürlich der Natur.
Ich entdecke mehrere offene Heideflächen, die jetzt im Spätsommer ebenfalls in sattem Lila leuchten. Eine Bank am Wegrand bietet den perfekten Platz für eine kleine Pause.
Der Georg-Sennert-Platz ist ein guter Orientierungspunkt, bevor ich das Gelände am Tor „Am weißen Stein“ wieder verlasse. Hier weht ein leichter Wind, und ich bin froh um die Schatten der Bäume, denn die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel.
Galgenvenn – Natur pur und sanfte Pfade
Über Kaldenkirchen und kleine Wirtschaftswege näheren wir uns dem Galgenvenn, einem weiteren Naturhighlight. Der Name klingt dramatisch, doch die Landschaft hier ist von friedlicher Schönheit. Ein kleiner Spielplatz am Wegesrand sorgt dafür, dass Familien hier gern Halt machen. Wir aber folgen der Route tiefer hinein, vorbei an Mischwäldern, sandigen Böden und weiteren Heideflächen.
Besonders schön sind die Stege, die über feuchte Senken führen. Der Weg schlängelt sich weiter, und an einer kleinen Aussichtsplattform halte ich noch einmal an. Unter mir breitet sich ein Mosaik aus Heide, Moor und Wald aus. Ich lehne mich ans Geländer, schließe die Augen und höre: das Summen der Insekten, das ferne Rufen eines Kuckucks und den Wind, der sanft durch die Gräser streicht.
Rückweg mit Feldblicken und Dorfcharme
Auf dem Rückweg geht es über den Westwall, vorbei an alten Bunkern, die still und fast vergessen am Wegrand liegen. Die Felder stehen im Spätsommergold, und der Wind trägt den Duft frisch gemähter Wiesen herüber. An einer Wegkreuzung treffe ich ein Paar, das ebenfalls die Heideblüte auskosten möchte.
Über kleine Dörfer und Feldwege rolle ich zurück Richtung Brüggen. Die letzten Meter führen leicht bergab – ein willkommenes Geschenk nach den Kilometern in den Beinen. Wieder im Burginnenhof angekommen, gönne ich mir ein kaltes Getränk in einem der Cafés. Während ich dort sitze und auf die Burg blicke, denke ich an die Momente des Tages: das Lila der Heide, den Klang der Grillen und die Stille des Waldes.
Mein Fazit
Die Heide-Radtour durch Brüggen ist nicht einfach nur eine Radtour – sie ist ein Streifzug durch verschiedene Landschaften, eine Einladung zum Innehalten und Staunen. Die Kombination aus Wacholderheide, Brachter Wald und Galgenvenn macht sie so abwechslungsreich, dass selbst nach 35 Kilometern keine Spur von Langeweile aufkommt. Wer in den Wochen der Heideblüte hier unterwegs ist, erlebt die Natur in ihrer vielleicht schönsten Form.